Bautagebuch: Bis zum Bauantrag

Trotz aller Unsicherheiten bezüglich der KfW Förderung mache ich mich am 26. Januar 2022 mal wieder auf Richtung Hunsrück …

… und nutze die Fahrt, um schon mal ein bisschen für das geplante “Straßenmusik Projekt” in Spanien zu proben:

Ich will mich morgen mit dem Hennweiler Bürgermeister und dem Bauunternehmer Herrn Böres treffen, um die Realisierung der Außenanlagen zu besprechen. Außerdem habe ich noch vor, meine Nachbarn persönlich über den aktuellen Stand des Bauvorhabens zu informieren.

Als Gastgeschenke bringe ich bunte Schokoladentafeln aus dem “Schwabenländle” mit:

Am nächsten Tag erkläre ich dann im Wohnzimmer des Bürgermeisters bei leckerem Kaffee die aktuellen Baupläne und zeige stolz, das von meinen Neffen ausgedruckte Haus. Herr Böres hat etwas Bedenken wegen der Tiefe des Aushubs und schlägt mir deshalb vor, das Gebäude noch etwas höher zu setzen.

Als ich diesen Vorschlag meinem Architekten weiterleite, zeigt der sich aber nur wenig begeistert. Es würden bereits derart viele Überlegungen in den Entwürfen stecken, dass man eine solch große Änderung nicht einfach “eben mal schnell” machen könne.

Am späten Nachmittag treffe ich mich dann bei sehr “frostigem” Wetter mit meinen zwei zukünftigen Nachbarn und präsentiere nochmal meine aktuellen Pläne.

Mein “Linker Nachbar” teilt mir mit, dass er nicht wolle, dass beim Bau sein Grundstück beschädigt wird, zum Beispiel die Treppe oder der Zaun:

Eigentlich sollte da ja irgendwann die Wand meiner Garage stehen:

Beim Aushub entsteht durch das nachrutschende Erdreich leider automatisch eine schiefe Ebene (Böschung), die je nach Bodenbeschaffenheit ziemlich breit werden kann. Also würde bei einer Grenzbebauung *definitiv* das Nachbargrundstück in Mitleidenschaft gezogen werden:

Der Aushub hinten beim Abstellraum wird gute vier Meter tief sein, was dann bei einer Steigung der Böschung von 45 Grad nach Adam Ries …

... wieviel Meter vom Nachbargrundstück beeinträchtigen würde?

Vier Meter!

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Für ein senkrechtes Ausschachten gibt es zwar verschiedene Bautechniken, wie zum Beispiel Spund- oder Trägerbohlwände (Berliner Verbau), allerdings lässt mir Herr Böres später über Michael ausrichten, dass die Kosten dafür unverhältnismäßig hoch seien und außerdem beim Einhämmern der Stützen in den harten Untergrund „den Nachbarn wahrscheinlich die Tassen aus den Schränken fallen“ würden.

Noch vor Ort rufe ich meinen Architekten Herr F. an, um mit ihm und meinem “Linken Nachbarn” die Problematik der Grenzbebauung zu besprechen. Herr F. meint, dass unser aktueller Plan baurechtlich erlaubt wäre und es am Ende meine Entscheidung sei, wie wir hier vorgehen.

Wegen des Aushubs und der Außenanlagen hätte ich gerne mindestens noch ein zweites Angebot und frage deshalb per E-Mail auch noch bei der Baufirma Bronn aus dem Nachbarort Oberhausen an.

Damit ist meine “Arbeit” in Hennweiler erst mal erledigt und ich fahre dann Abends noch weiter Richtung Mainz, …

… wo ich für den nächsten Tag einen Drehtermin bei Professor Dr. Ulmann bezüglich eines ausgesprochenen Orchideenthemas der Informatik vereinbart habe:

Wieder zuhause angekommen, beschäftige ich mich dann wieder mit dem “Häuslesbau”:

Die Doppelgarage meines “Rechten Nachbars” misst in der Breite exakt 5,30 Meter und steht einen halben Meter von meiner Grenze entfernt.

Ich reduziere meine Grundrisse auf die gleichen Parameter und informiere meinen Architekten über die neuen Ideen. Am Ende einigen wir uns aber darauf, erst mal mit den aktuellen Plänen den Bauantrag zu stellen und danach, wenn nötig, noch einen Änderungsantrag (Tektur) hinterher zu schicken.

Ich teile anschließend dem Bürgermeister unseren Plan mit, der dieses Vorgehen ebenfalls für gut befindet und mir noch erklärt, dass dafür ein genehmigungspflichtiger (also nicht genehmigungsfreier) Antrag nötig sei.

Bevor ich dann Richtung Spanien entschwinde, informiere ich mich erneut über mögliche Versicherungen und telefoniere anschließend noch mit der Firma Bronn:

Der Senior des Unternehmens (Herr M.) hat mittlerweile meine Unterlagen gesichtet und in der Baugrunduntersuchung (BGA) unter Punkt 5.2 entdeckt, dass man innerhalb von sechs Monaten eine “Chemische Analyse” des Bodens nachbauftragen kann. Verstreicht diese Frist, muss man auf eigene Kosten neue Proben erstellen lassen.

Außerdem erfahre ich, dass man in Deutschland ohne diese Analyse den Aushub gar nicht vom Grundstück abtransportieren darf. Gezwungenermaßen bestelle ich dann also für fast 500 Euro diesen Service noch nach:

Bereits in Spanien angekommen, frage ich beim Verkaufsleiter Herr L. noch an, ob diese Problematik eigentlich *jeden* OKAL Kunden betrifft. Ich könnte mir nämlich gut vorstellen, dass noch mehr Bauherren den Passus in der BGA übersehen, bzw. bereits übersehen haben.

Am 11. Februar wird dann meine Gitarrenprobe am Strand der Costa Brava kurz durch einen Anruf vom Dipl.-Geologen Herrn Z. unterbrochen, …

… der mir sehr interessante Dinge über das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz erzählt und zudem bestätigt, dass ich mit dem Thema “Nachbeauftragung der Bodenanalyse” nicht ganz alleine sei.

Die neuen Erkenntnisse teile ich dann wieder Herrn F. mit, der laut Herr Z. in seiner Rolle als Architekt wahrscheinlich noch am “ehesten” (??) diesen Punkt auf dem “Schirm” haben sollte.

Am 16. Februar bekomme ich als Teil der Bauantragsunterlagen vom Architekten dann das sogenannte Planungsprotokoll zugeschickt, wo in der Hektik wohl etwas von einem anderen Bauprojekt hineingerutscht ist. Angeblich soll mein Haus jetzt neben einer Scheune stehen .

Insgesamt muss ich für den Bauantrag 10 Dokumente unterschreiben:

  1. Planungsprotokoll
  2. Putzflächen Berechnung
  3. Beheizte-Flächen Berechnung
  4. Bemusterungs Berechnung
  5. DIN 277 Berechnung Umbauter Raum Wohngebäude (Kubatur)
  6. Berechnung der Wohnfläche nach WoFIV (Wohnflächenverordnung)
  7. Antrag auf Baugenehmigung
  8. Bauleiterbestellung
  9. Kosten nach Planung
  10. Bestätigung / Mitteilung für OKAL

Bei Punkt 10 muss ich OKAL noch versichern, dass ich nicht mehr als 2 Wohneinheiten plane und meine Balkone nicht am Haus befestigt werden.

Ein paar Dinge ändere ich noch ab, zum Beispiel kreuze ich explizit an, dass ich eine “Veröffentlichung in Bautennachweisen” wünsche, damit noch mehr Baufirmen die Möglichkeit bekommen, von meinem Projekt zu erfahren.

Bei den zehn Dokumenten fehlten dann noch zwei Allerletzte, nämlich erstens die verschiedenen Baupläne mit dem Haus in 3D-Darstellung:

Hier bin ich mit der hohen Mauer hinten …

… und dem nur schmalen Grünstreifen am Ausgang des Stegs noch nicht ganz zufrieden:

Das sah auf meinen eigenen 3D-Plänen irgendwie weniger “bedrohlich” aus:

Laut Herrn F. kann das aber später noch in der “Feinplanung” korrigiert werden.

Neben den Bauplänen bekomme ich schließlich noch den sogenannten Haustechnikplan (HTP) zum Unterschreiben vorgelegt:

Ich versuche die Skizzen mit den vielen Steckdosen, Lichtschaltern und anderen Technikelementen zu verstehen, finde aber leider nicht für alle Symbole eine Erklärung in der Legende. Was zum Beispiel bedeutet “SAT” und “analog”?

Außerdem hatte ich mir ja überlegt, Schiebewände einzubauen und da wäre zumindest die Position der Lüftungsöffnungen schon irgendwie wichtig:

Deshalb frage ich bei Herr F. nach, ob wir das komplizierte Werk vielleicht auch noch zusammen durchgehen könnten. Dieser erteilt mir daraufhin aber eine klare Absage: Das habe wohl noch kein Bauherr vor mir gewünscht und man könne außerdem später bei der Musterung noch alles anpassen.

Also unterschreibe ich auch noch dieses letzte Dokument “unter Vorbehalt” und vertraue darauf, dass schon alles irgendwie passen wird.

Damit haben wir jetzt auch einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Bauantrag kann endlich gestellt werden!

Liebe Grüße (wieder) aus Tübingen

Michael Holzheu

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