Calitour – Teil fünf: Frankfurt / Posen

Nachdem sich Alena entschieden hat, in Potsdam zu bleiben, breche ich heute Richtung Polen auf. Mein erstes Zeil dort ist Posen – aber zuerst ist noch eine Übernachtung bei Frankfurt (Oder) geplant:

Der nette Campingplatz …

… am See …

… soll dann für die kommenden Tage auch erst mal der Letzte für mich sein …

… Prost!

Am nächsten Tag fahre ich also, wie geplant, zunächst nach Frankfurt (Oder), …

… das trotz der nur 58.000 Einwohner irgendwie groß auf mich wirkt.

Die Stadt liegt direkt an der Grenze zu Polen und ist durch den Fluss geteilt: Bei der Festlegung der Oder-Neiße-Grenze wurde „Dammvorstadt“ der polnischen Seite zugeschlagen:

Ich finde einen Parkplatz an der Straße …

… und muss feststellen, dass das der California zusammen mit den Fahrrädern doch ziemlich lang ist.

Dann stärke ich mich erst mal mit einem Döner beim Comic-Brunnen am Brunnen-Platz:

Mit neuer Energie mache ich einen Stadtrundgang und sehe das Rathaus …

… die Oderbrücke, wo ein Drosselrohrsänger laut sein „karre karre kiet kiet“ vorträgt, …

… einen deutschen Grenzstein …

… und die Konzerthalle,  …

… die früher mal eine Klosterkirche war:

Dann geht es über die Brücke nach Polen, …

… wo ich kurz hinter der Grenze erneut einen Zwischenstopp einlege: Ich treffe auf einen jungen Mann, den ich überreden kann, sich die polnische Übersetzung vom Vogelquiz anzuschauen. Außerdem erkundige ich mich vorsichtig, ob hier immer noch so viel Autos gestohlen werden, wie früher – dies verneint er etwas pikiert.

Über die gut ausgebaute Autobahn erreiche ich dann am späten Nachmittag schließlich Posen, …

… wo mir mal wieder eine Straßenbahn über den Weg „läuft“.

Als ich vom meiner Unterkunft in die Stadt aufbrechen will, empfiehlt mir der Rezeptionist, den California lieber direkt vor den Hotel-Kameras abzustellen – er befürchtet, dass sich jemand für die Fahrräder auf dem Heckträger „interessieren“ könnte. Ich habe die Räder zwar abgeschlossen, aber zur Sicherheit befolge ich trotzdem seinem Rat.

Dann laufe ich los …

… und komme am Residenzschloss vorbei, das der deutsche Kaiser Willhelm II. Anfang des 20. Jahrhunderts erbauen ließ und angeblich von den Nationalsozialisten als „Führerresidenz“ umgestaltet wurde – bei diesem monumentalen Anblick kann ich mir das auch wirklich gut vorstellen:

Anschließend steuere ich den Alten Markt an, …

… bewundere sie schönen bunten Häuser …

… und setze mich dann direkt vor dem Rathaus an einen Tisch, …

… wo das Bier für unglaubliche …

… 6,99 Złoty – knapp zwei Euro – abgeholt werden kann: In den Wort „Złoty“ sieht man übrigens schon das markant durchgestrichene Ł, das Bestandteil des polnischen Zeichensatzes ist.

Mir gefällt der Platz so gut, dass ich dort anschließend fast vier Stunden verbringe. Ab und zu kommen junge Akkordeonspieler vorbei, die versuchen etwas Geld einzusammeln – die Jungs sehen für mich wie Zigeunerkinder aus.

Dann bekomme ich Besuch von „Richard“, „Alexander“, „Martin“ und „Eric“: Ich lade sie auf ein Bier ein und wir unterhalten uns über die Chancen der einzelnen Mannschaften bei der anstehenden Weltmeisterschaft. Als sie sich verabschieden, lässt Richard noch eine Decke vom Lokal mitgehen, wofür mir dann die junge Bardame ganze 10 Złoty berechnet – „wow“, hier kann man wirklich günstig Probleme lösen!

Beim „Wegtragen“ der Biere lerne ich noch zwei, mir bisher nicht geläufige Zeichen:

Eines für Männer …

… und eines für Frauen:

So langsam wird es Abend …

… und das Rathaus präsentiert sich sehr schön vor dem noch leicht bläulichen Himmel:

Etwa hundert Meter entfernt, habe ich den „CLUB FOR GENTLEMEN“ entdeckt. Ich fühle mich irgendwie angesprochen und erwäge, mir das mal näher anzuschauen – am Ende entscheide ich mich aber dann doch dagegen …

… und marschiere am Rathaus vorbei Richtung Hotel.

Eine junge Frau fängt mich ab und schließlich lande ich dann doch noch in dem Etablissement: Dort treffe ich auf die bildhübsche Weißrussin Anastazja, der ich gleich von meiner kürzlichen Übersetzungsarbeit am Vogelquiz berichte. Sie kann zwar Polnisch, ist aber ein wenig enttäuscht, dass Russisch nicht im Programm ist. Ich verspreche ihr, das schnellstmöglichst nachzuholen und bekomme dafür ihre E-mail Adresse für den Review. Wir unterhalten uns gut und sie erzählt mir stolz von einem unglaublichen Rekord (67), den sie bei der EM 2012 aufgestellt hat – angeblich waren zu dem Zeitpunkt sehr viele „verrückte“ Iren in der Stadt. Im Gegenzug hört sie von mir meine alte Geschichte, wie ich damals am 8. Oktober 2015 in Dublin das EM-Qualifikationsspiel Irland gegen Deutschland für die Gastgeber entschieden habe – irgendwie schade / unromantisch, dass diese beiden Ereignisse weder kausal noch zeitlich korrelieren können.

Weil sich der Abend bereits so nett entwickelt hat, will ich noch etwas mehr erleben: Anastazja schickt mich deshalb in einen wirklich guten Tanzschuppen, wo ich dann auch bis spät in die Nacht sehr viel …

… Bewegung bekomme: Ich muss sagen, dieses Posen gefällt mir wirklich gut 😉

Als ich am nächsten Tag aufwache, ist es 14. Juni und in Russland beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft: Der perfekte Zeitpunkt, um die Russisch-Übersetzung für das Vogelquiz nachzuliefern. Ich erledige das also noch schnell und veröffentliche eine neue Version 2.1.0:

Nach getaner Arbeit, schaue ich mir schließlich zufrieden in einer Pizzeria das WM-Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien an und freue mich, dass die Gastgeber besser als erwartet spielen.

Als ich zurück komme, muss ich dann noch einen Strafzettel begleichen, weil ich vergessen hatte, den Parkschein zu erneuern:

Was soll’s – ich werde Poznań trotzdem in sehr guter Erinnerung behalten!

Hier noch der Film zum Blog: https://youtu.be/EBC4GirKxYc

Michael Holzheu

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