Bautagebuch: 3D Modelle

Mein Architekt Herr F. hat mich darum gebeten, mir während seines Urlaubs drei schlüssige Konzepte für die Aufteilung der Zimmer zu überlegen. Weil meine räumliche Vorstellungskraft aber eher Mittelmaß ist, beschließe ich kurzerhand, ein 3D-Computermodell meines Hauses zu erstellen.

Bei den Recherchen, welche Programme da möglicherweise geeignet sein könnten, finde ich vier Kandidaten:

  • Immocado 3D Architekt (auch Hausdesigner 3D): Desktop Anwendung
  • Cedreo: Online Webanwendung
  • SketchUp: Software für allgemeine 3D-Modellierung
  • Architekt 3D: Desktop Anwendung

Auf der Suche nach einer Software, welche auch die Hanglage meines Grundstücks modellieren kann, entdecke ich zuerst „3D Architekt“ der deutschen Firma Immocado. Für 149,99 € erwerbe eine Lizenz und nach zwei Tagen schaffe ich es tatsächlich, aus den Höhendaten des Vermessers, welche von Herrn F. in den Einordungsplan übernommen wurden, …

… das Haus inklusive Gelände zu modellieren:

Damit ich mir ein besseres Bild davon machen kann, wie sich mein neues Domizil in die Umgebung einfügt, konstruiere ich im Anschluss auch noch die beiden Nachbarhäuser …

… und vergleiche danach das Modell mit der Realität:

Beim Arbeiten mit dem Programm muss ich aber schnell feststellen, dass im Handbuch nur ein Bruchteil der Funktionen beschrieben sind. Das ist wirklich eine Zumutung und lässt mich mal wieder an der aktuellen Qualität von „Made in Germany“ zweifeln.

Außerdem erscheint mir, ganz im Gegensatz zur deutschen Tugend „Präzision“, das Arbeiten mit der Software als nicht exakt genug und immer wieder kommt es zu Abstürzen. Nachdem alle drei Häuser stehen, verlangsamt sich auch noch die Verarbeitungsgeschwindigkeit auf ein fast unerträgliches Maß.

Deswegen beschließe ich noch etwas weiter zu suchen und probiere als nächstes das Online Tool „Cedreo“, …

… wo ich zwar sehr schnell „irgendwas“ hinbekomme, …

… aber sofort den Eindruck gewinne, dass die Funktionen für meinen Bedarf nicht mächtig genug sind. Anschließend installiere ich dann die 30-Tage Testversion von der bekannten 3D-Modellierungssoftware „SketchUp“, …

… wo ich mich erst mal mit Hilfe von YouTube Tutorials schlau mache und dann ein paar einfache Häuser mit Bergen modelliere:

Das Programm ist auch in der Lage, das DXF-Format von Autodesk zu importieren …

… und ich sehe danach die Höhendaten vom meinem Vermesser, wo das 3D-Profil meines Grundstücks auf Höhe 363 und darunter auf Höhe Null der 2D-Einordnungsplan liegt:

Mit den „Sandbox-Tools“ schaffe ich es dann sogar, mein Grundstück noch etwas anschaulicher darzustellen:

Weil ich aber gerne das ganze Baugebiet im Überblick hätte und die Vermesser Daten leider nur mein eigenes Grundstück beschreiben, suche ich anschießend im Internet nach Höhendaten für ganz Hennweiler.

Das Beste was ich dazu finden kann, sind ein paar topographische Karten, die ich leider nicht importieren kann:

Am Ende versuche ich, von Hand den Rest des Hangs und die Straße zu modellieren, …

… gebe aber dann schließlich etwas frustriert auf, weil die vielen Linien das Arbeiten im dreidimensionalen Raum extrem erschweren:

Ach ja, apropos Frustration: Nach diesen drei, mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen, komme ich dann zur amerikanischen Software „Architekt 3D“, das in verschiedenen Ausbaustufen erhältlich ist. Beim Bestellvorgang nehme ich natürlich die „Beste Wahl“, …

… übersehe aber auf der Download Seite in der Hektik ein paar kleine Details, die nicht fett gedruckt sind. Dann überweise ich den Betrag und denke, dass damit alles erledigt sei. Einen Monat später erhalte ich diese E-Mail:

Oh je, was habe ich da eigentlich bestellt ? Muss ich jetzt etwa jeden Monat 89,99 € bezahlen ? Etwas verunsichert und auch leicht erbost, rufe ich die „deutsche“ Hotline an und hänge dann erst mal eine halbe Stunde in der Warteschleife fest:

Schließlich geht eine junge Dame namens „Amelie“ ans Telefon und ich schildere ihr mein Anliegen: Anscheinend kennt sie das Problem bereits und versucht mir in gebrochenem Deutsch das etwas komplizierte Preismodell zu erklären.

Weil ich aber bei jedem Satz nur die Hälfte verstehe, werde ich im Fortlauf des Gesprächs immer ungehaltener und stehe kurz davor, endgültig die Geduld zu verlieren. Die arme Frau bemüht sich wirklich, gutes Deutsch zu sprechen und kann wahrscheinlich am wenigsten für meinen Ärger. Außerdem bleibt sie die ganze Zeit sehr geduldig und sanftmütig , fast genauso professionell wie mein Künstlerfreund Michael oder meine „Zweite Freundin von Nebenan“.

Nach insgesamt 52 Minuten (inklusive Warteschleife) schafft sie es endlich, mir zu erklären, dass ich insgesamt noch zwei Raten zu 89,99 € bezahlen muss. Ich beschwere mich noch über die, meiner Meinung nach, fast betrügerische Webseite und sie verspricht mir, mein Anliegen dem Management vorzutragen.

Nach diesem etwas unfreundlichen Intermezzo aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: Im Gegensatz zu „3D Architekt“ von Immocado ist das Handbuch von „Architekt 3D“ halbwegs brauchbar:

Nachdem ich von Okal keine 3D-Dateien für das Haus bekommen konnte, muss ich, wie schon bei Immocado, mit den Grundrissen aus dem Werbeprospekt klar kommen und brauche dann erst mal etwas Zeit, um die Beschriftung exakt zu verstehen:

Dann verwende ich die Grundrisse der verschiedenen Etagen, die man in dem Programm praktischerweise als Blaupause einblenden kann und modelliere zuerst das Untergeschoss:

Das Programm ist sehr exakt und ich kann die Daten auf den Millimeter genau übertragen:

Nachdem ich mit dem Keller fertig bin, kommt dann das Erdgeschoss dran, …

… das von oben gesehen, in 3D schon ganz nett aussieht:

Schließlich noch das Dachgeschoss, …

… und fertig ist der Rohbau:

Dann versuche ich mich an ein paar Variationen für das Studio …

… und bespreche mit meiner „Zweiten Freundin von Nebenan“ noch ein paar mögliche „Use cases“:

Schließlich geht es wieder an die Modellierung des Geländes. Zwar ist es auch mit diesem Programm möglich, die Vermesser Daten per DXF Import einzulesen, allerdings kann ich das Ergebnis dann leider nicht zur Erstellung der Hanglage verwenden.

Am Ende gebe ich also die Höhenlinien von Herrn F.s Einordungsplan wieder von Hand ein …

… und erzeuge damit recht exakt das Gelände mit der Straße:

Nach der Simulation des Aushubs und dem Hinzufügen der Doppelgarage mit Terrasse sieht das Ganze dann schon recht hübsch aus:

Als ich mir das Werk vom Garten oben anschaue, mache ich mir nur etwas Sorgen, dass das Haus vielleicht doch etwas zu tief eingebuddelt wird:

So, das wars dann mit meinen ersten Erfahrungen der 3D-Hausmodellierung. Alles in allem hat mir „Architekt 3D“ bis jetzt schon ganz gut gefallen und die Software hat dabei geholfen, mir mein neues Heim etwas besser vorstellen zu können.

Bei der Konzeption der Raumaufteilung war ich aber doch etwas überfordert und musste Herrn F. die angeforderten drei Vorschläge erst mal schuldig bleiben.

Schauen wir mal, wie es nach seinem Urlaub dann so weiter geht.

Liebe Grüße

Michael Holzheu

 

 

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