Ein kleiner Gitarren Test

Vor einigen Jahren hatte ich für meine “Freundin von IBM” in einem Tübinger Musikgeschäft eine wirklich wunderbare Gitarre gefunden. Klangmäßig kann da meine treue “Jose Ribera R6” einfach nicht mehr mithalten und außerdem reißt ihre D-Saite regelmäßig:

Deshalb gehe nochmal zu unserem Tübinger “Musiklädle”, um nach einem würdigen Nachfolger zu suchen und bekomme dort zunächst eine sehr gute Spanische Gitarre für 2.000 Euro angeboten. Allerdings habe ich noch in Erinnerung, dass das Instrument von meiner Freundin damals nur 1.000 Euro gekostet hat und sich sogar fast noch besser anhörte.

Leider hat der Ladenbesitzer keine vergleichbaren Stücke mehr auf Lager, verspricht mir aber von einem Großhändler einige Exemplare zu bestellen und sich dann wieder bei mir zu melden.

Nachdem ich anschließend ein paar Wochen lang nichts mehr von ihm gehört hatte, rufe ich nochmals an und erfahre, dass erst in ein paar Monaten wieder neue Gitarren geliefert würden.

So lange will ich aber nicht mehr warten und frage deshalb meine Freundin, wie ihre Gitarre nun eigentlich heißt: Sie hat eine “La Mancha Diamante S Especial”, wobei das “S” wohl für Spruce (Englisch Fichte) steht. Auf E-Bay wird gerade so ein Instrument angeboten, wobei allerdings das “Especial” im Namen fehlt:

Trotzdem bestelle die Gitarre und am folgenden Tag kommt das Teil dann auch schon an:

Beim anschließenden Probespielen bin ich aber etwas enttäuscht: Vielleicht liegt es ja am fehlenden “Especial”? Um ganz sicher zu gehen, leihe ich mir dann das Instrument von meiner Freundin aus …

… und tatsächlich bestätigt sich mein Verdacht, dass die Especial doch um einiges besser als ihre kleine Schwester klingt. Nach längerem Herumüberlegen packe ich also schließlich meine Neuerwerbung etwas frustriert zu dem großen Haufen der anderen Retouren:

Wo ich jetzt schon mal am Testen bin, hole ich mir auch noch das Instrument meiner “Freundin von Nebenan”, eine “Jose Ribera JR6”, welche sie für nur 300,- Euro gebraucht erworben hat:

Nach langem Warten hat der Musikladen in Tübingen dann endlich die “Duke Meister ST” geliefert bekommen. Das “ST” steht hier für “Spruce Termal”, denn für den perfekten Klang hat die Gitarre nämlich eine künstlich gealterte Thermofichtendecke. Interessanterweise sollen nämlich ältere Gitarren wohl tatsächlich besser klingen, als “frische”.

Im Internet finde ich folgende Beschreibung:

Auf der Grundlage jüngster Forschungsergebnisse ist die Fichtendecke aus den alpinen Hochlagen des schweizerischen Graubünden mit einem Thermo-Vakuumverfahren veredelt worden. Dieser künstliche Alterungsprozess verändert das Klangbild positiv und macht das Holz weniger anfällig für Feuchtigkeitsschwankungen. Zusätzlich bekommt das Holz einen angenehmen warmen Farbton.

Nach sorgfältiger Herstellung in China durchläuft jede Duke© eine etwa einstündige Überarbeitung in Tübingen bei der Reinhardt GmbH durch einen Gitarrenbauer. So werden alle Duke© mit neu abgerichteten und polierten Bünden sowie spielfertig eingestellter Saitenlage in den Handel versendet. Dadurch garantieren wir eine angenehm spielbare Konzertgitarre ab dem ersten Tag.

Auf der Schweizer Seite finde ich dann noch Informationen über das verwendete Holz:

Wir fällen die Bäume ausschließlich in der Winterzeit vor Neumond (=Mondholz).

Nach kurzem Probespielen, entscheide ich mich schließlich, das gute Stück für 1.300 Euro zu erwerben:

Im Folgenden will ich mal von dem Vergleich der fünf Gitarren berichten, aber bevor es los geht, hier erst mal ein Überblick, wie eine Gitarre im Prinzip so aufgebaut ist:

Und hier nun meine fünf Kandidaten …

… von links nach rechts in der folgenden Reihenfolge:

  • Jose Ribera JR 6: “Freundin von Nebenan” gebraucht für 300,- Euro
  • Rafael Ortega R200: “Selbst gekauft im Jahr 1998” für ca. 400,- DM
  • La Mancha Diamante S: “Selbst bestellt und zurückgeschickt” für ca. 1.000,- Euro
  • La Mancha Diamante S Especial: “Freundin von IBM” für ca. 1.000,- Euro
  • Duke Meister ST: “Selbst gekauft in 2021” für 1.299,- Euro

Hier die Detailbilder des Quintetts:

Und jetzt natürlich Hörproben, welche ich unter Windows 10 mit dem kostenlosen Programm Audacity und einem RØDE NT-USB NTUSB Kondensatormikrofon aufgenommen habe:

Also zunächst Streets of London auf allen Gitarren *einzeln* …

Rafael Ortega R200

Jose Ribera JR 6

La Mancha Diamante S

La Mancha Diamante S Especial

Duke Meister ST

… und dann noch bebildert das ganze Lied *abwechselnd* auf allen Instrumenten:

Nur anhand der Tonaufnahmen die Entscheidung zu treffen, wer nun die Beste ist, gestaltet sich tatsächlich nicht ganz einfach. Aber nach meinem persönlichen Kontakt mit den fünf Kollegen war es für mich dann doch ziemlich eindeutig.

Deshalb küre ich jetzt die “Diamante S Especial” und die “Meister ST” feierlich zu den beiden Siegern meines kleinen Gitarrentests:

So habe ich also mit der „Duke“ nun auch endlich einen würdigen Nachfolger für meine alte Gefährtin „Jose Ribera“ gefunden, die mir da auch sicherlich zustimmen würde:

Viele musikalische Grüße aus Tübingen

Michael Holzheu

 

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