Von Sanftmut und Hoffnung

Nachdem ich mit meinem Künstlerfreund Michael vor knapp zwei Monaten die noch unbekannte Stadt im Osten besucht hatte, wollen wir nun ein zweites Mal dort hin, um auszuloten, ob der Ort unter Umständen für unser geplantes Gemeinschaftsprojekt geeignet ist. Passenderweise findet dort am Wochenende auch noch ein Konzert statt, wo ich dann vielleicht auch meinen fünfzigsten Geburtstag gebührend feiern kann.

Die erste Station soll ein alter Bauernhof sein, der gerade von Joachim gehütet wird, den wir schon das letzte Mal kennengelernt haben. Joachim hat in Mathematik habilitiert und teilt meinen Humor, weshalb wir uns wahrscheinlich auch auf Anhieb so gut verstanden haben.

Bevor es aber losgeht, will ich erst noch meiner „Zweiten Freundin von Nebenan“ …

… zwei Geschenke vorbeibringen, etwas Praktisches für die Meerschweinchen und was Schönes für die Frau:

Leider können wir an meinem Geburtstag nicht zusammen sein, weil sie da auf einer Fortbildung in Bayern ist. Nach der Verabschiedung hole ich dann mit etwas Verspätung Michael ab und es geht wieder Richtung Osten. Auf einem Rastplatz empfehle ich meinem Begleiter, mal einen Doppel Whopper zu probieren …

… und erzähle ihm dabei von meiner West Highland Way Reise, auf der ich damals mit meinen zwei Schulfreunden Alex und Steff beim Abschlussessen in Edinburgh zum ersten Mal mit offenen stehendem Mund so ein riesiges Teil vertilgt hatte.

Der zweiwöchige Urlaub war einer der Schönsten, den ich je erlebt habe. Insbesondere auch deshalb, weil ich mit Steff vorher „Waffenstillstand“ vereinbart hatte und wir auf der Wanderung unsere sonst üblichen Provokationen und Kämpfe auf die spielerische Art ausgetragen haben:

Weil wir etwas spät dran sind, gebe ich ordentlich Gas und der Fahrradträger klappt mal wieder herunter:

Beim Wiederhochklappen, kommt mir dann die Idee, das Problem mit einen intelligenten Workaround zu fixen. Schließlich erreichen wir den Bauernhof und treffen Joachim, der uns etwas gleich etwas herumführt. Insbesondere der stylische Herd mit den Kochutensilien gefällt mir dabei sehr:

Dann verbringen wir zu dritt einen langen aber sehr kurzweiligen Männerabend, …

… wo ich nach einer Pinkelpause noch kurz Bilder mit meiner Freundin austausche, die mittlerweile zum Glück wohlbehalten in Bayern angekommen ist:

Am nächsten Tag krabbeln Michael und ich erst gegen Mittag aus unseren Kojen:

Ganz im Gegensatz zum Kollegen Joachim, …

… der schon früh aufstehen musste, um Laufenten, …

… Schafe, Hühner und Hahn zu versorgen, wobei besonders letzterer echt ein Prachtkerl ist:

Wir schauen uns noch etwas mehr von dem mindestens 200 Jahre alten Hof an und rätseln wofür damals wohl dieser Säulenraum genutzt wurde:

Etwas später erfahren wir, dass das wahrscheinlich einfach nur ein Schweinestall war. Nach dem gemeinsamen Frühstück wollen Michael und ich noch etwas von der Gegend sehen. Wir gehen zum Fluss hinunter …

… und laufen eine kleine ruhige Straße entlang, wo nur ab und zu kaum erkennbares Getier unseren Weg kreuzt:

In der Nähe einer Pferdekoppel …

… treffen wir bei einem ziemlich verfallenen Anwesen …

… auf einen jungen Mann und zwei junge Frauen: Sie haben das Gelände hier für einen symbolischen Euro gekauft und wollen jetzt alles mit viel Eigenleistung renovieren. Es stellt sich heraus, dass sie Musiker sind und auch immer wieder in Leipzig mit der Band aufzutreten. Als wir von unseren Plänen und Ideen berichten, vernetzen Sie uns netterweise gleich mit einem Herrn, den sie Sherriff nennen, und der hier wohl so ziemlich alles und jeden kennen soll.

Als Michael über das Leben als Künstler berichtet und seine Bilder auf dem Smartphone zeigt, bin ich bei den zwei Damen plötzlich völlig abgemeldet. Da erinnern mich diese Schießscharten hier gleich wieder an all die Kämpfe um die Frauen:

Wie gut, dass ich da gerade von anderer Seite mit weiblicher Aufmerksamkeit versorgt werde: Wieder zurück am Bauernhof tausche ich mit meiner Freundin mal wieder Bilder aus und Joachim meint beim Anblick der attraktiven Dame, dass das ja echt eine „Hammer-Frau“ sei:

Am nächsten Tag machen wir uns wieder in die Stadt auf, erkunden die teilweise echt hübschen Straßen hier …

… und gehen danach zum Bahnhof, wo sich die Musiker gerade in einem Workshop auf das kommende Konzert vorbereiten. Der DDR-Hit „Als ich fortging“ gefällt mir dabei von all den Stücken am besten. Auch Joachim ist zugegen, der dann das schöne Stück „Horizon Variations“ von Max Richter vorträgt:

Am nächsten Tag fange ich dann mal an, unsere Gedanken in meinem „Gemeinschafts-Arbeitsdokument“ festzuhalten:

Für September ist es wirklich sehr warm, so dass mir die Markise vom VW-Bus dabei ausreichend Schatten spendet. Bei allem Ärger, den ich immer wieder mit ihm habe, schätze ich meinen gutaussehenden motorisierten Reisebegleiter dann irgendwie doch:

Am Abend machen wir noch einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung …

… und kommen wieder an interessant gealterten Gebäuden vorbei:

Der Weg ist wunderschön und ich bin besonders von den Bäumen in der abendlichen Stimmung sehr angetan:

Mit dem Smartphone spiele ich Michael ein Lied über den Frieden vor, das ich für meine „Zweite Freundin von Nebenan“ aufgenommen habe und passend dazu, kommen wir dann an einer friedlich grasenden Schafherde vorbei:

Ganz in der Nähe gibt es wieder einen Bahnhof, der von einem Mann aus dem Ruhrgebiet gekauft wurde. Dort ist Joachim mit einem Bekannten gerade zum Abendessen eingeladen und auch die Tochter des Besitzers ist dabei. Wir gesellen uns zu der Gesellschaft und unterhalten uns ein wenig mit ihnen.

Der Eigentümer des Bauwerks stellt sich als „Daseinsforscher“ vor und erzählt ein paar philosophische Geschichten, die mich intellektuell aber etwas überfordern. Anschließend bekommen wir auch noch eine exklusive Führung durch den, von ihm renovierten Bahnhof, wo er besonderen Wert auf die Darstellung der geschichtlichen Details legt. Am Ende zeigt er uns in einem Buch noch ein altes Bild von dem Gebäude:

Am nächsten Tag geht es dann erst mal wieder in die Natur, wo mich gleich wieder ein Baum begeistert, …

… der offensichtlich auch von einer Pferdefamilie sehr geschätzt wird, um sich zu schubbern:

Auch für uns ist es höchste Zeit, etwas für die Körperhygiene zu tun und weil heute der 10. September ist, will ich mich außerdem noch hübsch für den Geburtstagsabend machen. Michael, der zum ersten Mal in Kontakt mit der VW-Außendusche kommt, freut sich sehr über das Outdoor-Feeling und fühlt sich positiv an seine Indienreisen erinnert, wo es wohl auch sehr rudimentär zuging.

Nach der Dusche besuchen wir die nahegelegene Stadt Döbeln, wo ich mal wieder über die historischen Pegelstände der Mulde grüble:

Beim repräsentativen Rathaus …

… lässt meine Talmud-Filterblase das Schild zum Standesamt in mein Bewusstsein vordringen:

Nach der Stadt wollen wir wieder etwas Natur und fahren zu einer Burgruine, die mit einer netten Geschichte aufwartet, wo es mal wieder um eine hübsche Frau geht. Als wir eine kurze Rast auf einer wirklich unbequemen Bank einlegen, deren Beplankung vielleicht wegen der aktuellen Holzknappheit etwas zu sparsam ausgefallen ist, …

… führen drei Jugendliche mit ihren Mopeds ein wirklich tolles Spektakel mit viel Lärm und Rauch auf:

Vielleicht war das für mich ja eine kleine Geburtstagseinlage mit Hinweis auf meine anstehende Motorradprüfung? Auf einer Anhöhe legen wir uns auf eine Wiese …

… und ich sinniere in leicht melancholischer Stimmung darüber, ob ich hier gerade richtig bin:

Auf der Rückfahrt meint Michael, dass wir noch Sekt kaufen sollten, um heute Abend mit ein paar Leuten anstoßen zu können. Wir sind spät dran, aber zum Glück finden wir noch einen Rewe Supermarkt, der bis 22:00 auf hat:

Die Zeit bis Mittarnacht vertreiben wir uns noch mit einem Schachspiel, wo mir Michael netterweise gleich am Anfang einen Turm überlässt:

Dann ist es soweit und es wird zum 50. Geburtstag angestoßen:

Wir setzen uns zu ein paar Leuten ans Feuer und am Ende wird es dann noch ein langer und zumindest für mich sehr feuchtfröhlicher Abend. Am nächsten Morgen bekomme ich die ersten Geburtstagsgeschenke, nämliche dieses hübsches Herz, …

… und diese interessante Komposition, die mich irgendwie an ein Raumschiff erinnert:

Am Nachmittag geht es dann zum Konzert, das im Biergarten vom Bahnhof stattfindet, …

… aber weil hier 3G gilt, muss vorher noch im Zelt bei den Johannitern ein Schnelltest gemacht werden:

Dann kommt Joachim und überreicht mir ein Geburtstagsgeschenk, das mit Senf übrigens ganz hervorragend geschmeckt hat. Wir lassen uns im Biergarten nieder, lauschen der Musik und probieren dabei Ost-Produkte:

Ich finde, dass die bunte Truppe auf der Bühne …

… ihre Sache wirklich gut macht und sowohl akustisch als auch optisch sehr professionell wirkt:

Trotz all der schönen Frauen hier, interessiere ich mich aber gerade nur für eine Dame, die mir mal wieder ein Bild aus Bayern schickt:

Nach dem bunten Frühstück am nächsten Tag …

… wollen wir eine weitere Stadt in der Umgebung erkunden und fahren nach Grimma, wo wir wieder mal die historischen Pegelstände der Mulde bewundern:

Wir passieren ein riesiges Schulgebäude mit einer gewaltigen Toranlage, …

… deren Türen eher an Safes von Fort Knox erinnern, …

… sich aber am Ende als Hochwasserschutz-Türen herausstellen:

Wir schlendern wieder etwas in die Stadt, die nach der letzten Flut zwar schön renoviert wurde, aber hin und wieder trotzdem noch schön gealterte Gebäude zeigt:

Zum Abschluss geht es für uns natürlich auch hier wieder zum Bahnhof, …

… wo wir uns über diese komische Aufschrift beim Fahrkartenautomaten wundern:

Anschließend wollen wir noch nach Leipzig, um zu sehen, was so in der Stadt los ist. Als erstes geht es nach Plagwitz, wo wir an einem hübsch eingerichteten Schusterladen …

… und an einem liebevoll gestalteten Künstlerladen vorbeikommen:

Nicht minder künstlerisch erscheint mir dann das Innere des Westwerks …

… und dieser hübsche Geldautomat:

Der Abend klingt dann in einer Kneipe mit einem Schachspiel aus, wo Michael dann auch endlich seinen ersten Sieg verbuchen kann:

Am nächsten Tag schauen wir uns dann noch die Alte Baumwollspinnerei an, wo Künstler leben und arbeiten können. Michael zieht es natürlich sofort in einen Boesner Laden, wo es alles, was das Künstlerherz begehrt, zu kaufen gibt:

Und anscheinend kann man mit Kunst auch Geld verdienen, wie wir dann kurz später anschaulich an dem Porsche einer hier wirkenden Künstlerin sehen können:

Am Ende gehen wir noch zur Oscar Niemeyer Sphere, welche Michael gleich für die Präsentation seines gerade erworbenen Buchstabens „A“ nutzt:

Um etwas zu entspannen, fahren wir dann noch zum Markkleeberger See, wo tatsächlich noch gebadet wird:

Wie verweilen ein wenig an dem Gewässer und erleben noch einen malerischen Sonnenuntergang:

Danach wollen wir noch in den Stadtteil Connewitz, welcher uns wegen des Nachtlebens empfohlen wurde. Irgendwie wirkt das Viertel gefährlich auf mich und ich mache mir schon etwas Sorgen um den geparkten teuren VW-Bus. Aber das Risiko lohnt sich schon für die Fotos, der mit Graffiti verzierten Häuser, …

… die besonders mit entsprechender Beleuchtung …

… gleich viel weniger bedrohlich wirken:

Es ist Montag Abend und in den Bars ist nur wenig los, weshalb wir uns nach kurzer Stärkung dazu entschließen, wieder zurückzufahren:

Als allerletzte Aktion der Tour nehmen wir heute noch einen Besichtigungstermin für ein potenziell interessantes Objekt wahr und stellen danach beim abschließenden Mittagessen noch erfreut fest, dass wohl auch auf dem nahegelegenen Stadtplatz ab und zu Veranstaltungen stattfinden:

Vielleicht ein gutes Zeichen dafür, dass dieses „A“ hier für einen guten Anfang mit Michael in dieser Stadt stehen könnte:

Obwohl wir jetzt 9 Tage fast ständig zusammen waren, ist der Ausflug im Großen und Ganzen sehr harmonisch verlaufen. Insbesondere Michaels Sanftmut hat sicher dazu beigetragen. Ich kenne nur noch eine weitere Person, die eine ähnliche Wirkung auf mich hat, nämlich meine „Zweite Freundin von Nebenan“.

Aus Dankbarkeit darüber sollte an dieser Stelle eigentlich der Song „You’ve got a friend“ stehen, aber weil ich auf der ganzen Reise dann doch ein eher trauriges Gefühl hatte, spiele ich nun ein anderes Lied, das am Ende Hoffnung verspricht:

Viele Grüße, wieder aus Tübingen!

Michael Holzheu

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