Schweizer Informatik im Winter

Auf der Suche nach Zeitzeugen der Computergeschichte, welche ich noch befragen könnte, entdecke ich auf Wikipedia eine „Liste bedeutender Personen für die Informatik“:

Beim Durchgehen der 77 Einträge finde ich dann schließlich, fast am Ende, Professor Niklaus Wirth:

Der Schöpfer von Pascal ist der einzige deutschsprachige Vertreter, welcher den Turing Award erhalten hat. Dieser Preis gilt als eine der höchsten Auszeichnungen der Informatik, er ist aktuell mit einer Million Dollar dotiert und vergleichbar mit der Fields-Medaille oder dem Nobelpreis für andere Disziplinen.

Kurzentschlossen schreibe ich eine E-Mail mit der Frage, ob Herr Wirth vielleicht zu einem Interview mit mir bereit wäre. Als wenig später eine positive Antwort eintrifft, schwebe ich dann natürlich erst mal ein paar Tage auf Wolke Sieben.

Eine solche Chance sollte auf alle Fälle gut vorbereitet sein, deshalb wälze über drei Wochen lang ordentlich Literatur …

… und teste zudem noch Herrn Wirths Oberon System in einer Emulation auf meinem Computer:

Außerdem schaue ich mir die bereits im Internet verfügbaren Interviews von ihm an:

Bei der Gelegenheit informiere ich mich auch noch intensiv über die eidgenössischen Beiträge zur EDV ganz allgemein, wobei mir neben „Konrad Zuse und die Schweiz“ insbesondere das Buch „Informatik in der Schweiz“ sehr gut gefällt:

Damit sich die Reise auch lohnt, frage ich noch beim Museum für Kommunikation in Bern bezüglich eines möglichen Drehtermins an. Auch hier ist man positiv gestimmt und weil ich dort wahrscheinlich eine Kamerafrau brauche, kann ich dann schließlich noch meine Dame vom See dazu bewegen, mich auf dieser Tour zu begleiten.

Neben den Drehterminen wollen wir bei der Gelegenheit auch mal wieder ein bisschen mehr von der Schweiz kennenlernen. Hier schon mal die Strecke, welche wir dann im Folgenden zurücklegen:

Am 8. Februar geht es dann in der Früh endlich los Richtung Bodensee, …

… wo ich meine Begleitung aufgable, die dann am Abend im VW-Bus mit schweizer Würstchen gleich mal ein wirklich tolles Mahl zaubert, das fast aussieht wie aus einem Nobelrestaurant:

Beim Abwasch fällt dann plötzlich, ohne Vorwarnung, der Wasserhahn ab, Menno:

Am nächsten Morgen erwartet uns dann erst mal eine verschneite Landschaft …

… und bei einer Quelle wird Wasser nachgefüllt:

Am Nachmittag treffen wir, wie geplant, Professor Wirth in seiner Züricher Wohnung und ich führe dort dann das Interview mit ihm:

Zum Abschied signiert er mir netterweise noch zwei verschiedene Auflagen seines berühmten Buches „Algorithmen und Datenstrukturen“:

Zurück am Auto müssen wir leider feststellen, dass wir wohl die schweizer Schilder für Parkscheibenpflicht falsch gedeutet haben und müssen nun deshalb Strafe zahlen – immerhin, was IT-Technik angeht, sehr modern per Paypal und QR-Code:

Meine eher noch analog orientierte Mitfahrerin fragt sich dabei allerdings zurecht, wie man das eigentlich ohne Smartphone und Internet bezahlen könnte. Am nächsten Morgen geht es dann erst mal zum winterlichen Spaziergang auf den Trimm-dich-Pfad:

Weil ich die mitgebrachte mobile Toilette meiner Begleitung nicht verwenden will, bin ich dann froh, als wir bei einem Abstecher …

… dieses voll funktionsfähige DIXI-Häuschen entdecken:

Am nächsten Tag haben wir ja noch den Dreh-Termin in Bern und deshalb mache ich mich schon mal frisch an diesem abgelegenen Teich:

Weil die Flamme bei unserem Herd irgendwie immer kleiner wird, tauschen wir bei einem entsprechenden Geschäft zur Sicherheit noch die Gasflasche. Anschließend will ich es aber dann doch nochmal genau wissen und stelle beim Wiegen der alten Flasche fest, …

… dass diese eigentlich noch über halb voll war:

Vielleicht lag der niedrige Gasdruck ja auch einfach an den auf dieser Reise meist tiefen Temperaturen:

Am Donnerstag besuchen wir dann das Museum für Kommunikation in Bern, …

… wo wir von Juri, dem Sammlungskurator für Informations- und Kommunikationstechnologie, eine exklusive Führung durch das optisch wirklich eindrucksvolle Museum erhalten:

Neben vielen anderen interessanten Exponaten sehen wir zum Beispiel den berühmten schweizer Röhrenrechner ERMETH, …

… meine geliebten (schweizer) Alpen als Collage aus Briefmarkenmotiven, …

… mit der berühmt-berüchtigten Eiger-Nordwand, welche in diesem Blog übrigens noch einmal vorkommen wird, …

… einen Hughes-Typendrucktelegrafen mit interessanter Klaviertastatur, …

… diesen IBM S/360 Model 50 Mainframe, …

… oder eine Lilith Workstation von Professor Wirth im Holzgehäuse:

Außerdem darf ich zum ersten Mal eine Nachbildung des berühmten frühen Tennis for Two Videospiels bestaunen:

Beim Checkout werden noch Selfies von uns ausgedruckt, …

… wobei mir dann auffällt, dass das Haarewaschen ohne Shampoo vielleicht doch nicht ganz so gelungen ist:

Nach den Dreharbeiten im Museum fahren wir dann noch zum etwas außerhalb von Bern liegenden Depot, welches in einem Gebäude eines ehemaligen Kurzwellensenders untergebracht ist:

Ganz im Sinne unserer Mission als Historiker lädt uns Juri dann noch zum Nachtisch auf eine Creme Schnitte ein, …

… die hier wohl auch früher immer zu besonderen Anlässen von der Belegschaft verspeist wurde. Dabei erzählt er uns noch eine Geschichte von einem Mann aus dieser Gegend, der angeblich über seine Amalgam-Füllung in den Zähnen die Nachrichten des Senders in seinem Kopf hören konnte, bzw. musste.

Beim Essen treffen wir auch auf Tim, der hier als Restaurator und Konservator arbeitet. Mit ihm zusammen drehen wir dann anschließend den zweiten Teil über das Museumsdepot:

Neben dem prinzipiellen Interesse, endlich mal ein Depot filmisch zu erfassen, war insbesondere der legendäre Zuse M9 Rechenlocher eine große Motivation für mich, hierher zu kommen: Wir sehen die Lochkarten Ein- und Ausgabe, …

… sowie einen Teil der Recheneinheit, welche mit Fernmelderelais aufgebaut ist:

Außerdem gibts es hier weitere interessante schweizer Beiträge zur Informatik, zum Beispiel diesen Projektor, …

… der wohl bei den Apollo Mond-Missionen der NASA im Kontrollzentrum in Houston verwendet wurde, oder den Smakey 6 Rechner, …

… der von der Universität École polytechnique fédérale de Lausanne, oder kurz EPFL, basierend auf einem Zilog Z80 Prozessor entwickelt wurde.

Tim erzählt dann anschließend viel Interessantes über die Herausforderungen bei der Lagerung von Exponaten, zum Beispiel thematisiert er die Problematik der Alterung von Akkus:

Zum Abschluss darf ich für den letzten Teil unserer Trilogie auch nochmal selbst vor die Kamera und treffe dabei wieder auf das Werk von Niklaus Wirth:

Nach der Arbeit gibt es anschließend Abendessen auf einem Parkplatz mit schöner Aussicht vor der Kirche, die uns Juri empfohlen hat, …

… wo wir dann feststellen, dass das Wasser mittlerweile eingefroren ist:

Zum Glück hat meine Begleitung in weiser Vorrausicht für diesen Fall noch Wasser in Flaschen abgefüllt:

Am nächsten Tag komme ich nach dem Einkaufen einfach nicht an diesem Fotoautomaten vorbei, …

… und drucke ein kleines Erinnerungsbild aus:

Für die folgenden Tage ist dann Urlaub angesagt, wo wir auf wilden Wanderungen …

… interessante winterliche Strukturen sehen:

Nachdem sich die Gießkanne in der Schublade unter dem Rücksitz mal wieder eingeklemmt hat, …

… lerne ich dann noch, dass man auch von oben an die Sachen herankommen kann:

Wir verbringen anschließend noch zwei Tage am Campingplatz Fuellmattli, …

… von dem aus wir eine Wanderung …

… zum nahegelegenen Schwarzsee unternehmen, welcher leider gerade zugefroren ist und nur die Zuflüsse für die vielen Enten schiffbar sind:

Es ist wirklich frisch hier und der Atem gefriert so langsam auf meinem neuen Bart:

Besonders die letzten Meter zurück zum Campingplatz sind dann sehr sehenswert, mit Wasserfall …

… und schön gefrorenen Eiszapfen:

Am VW-Bus angekommen, muss die Standheizung wieder ganze Arbeit leisten, …

… doch plötzlich geht sie hartnäckig immer nach ein paar Sekunden von selbst aus und funktioniert erst wieder, nachdem ich den Motor ein paar Minuten lang laufen lasse:

Mein erster Verdacht ist, dass die Diesel-Pumpe der Heizung wohl über die, vielleicht jetzt zu schwache, Starterbatterie angetrieben wird und nicht über die zwei Zusatzbatterien, welche noch genügend Ladung anzeigen:

Als ich später zuhause den Wasserhahn bei der VW-Werkstatt reparieren lasse, wird mir aber versichert, dass dem nicht so sei und die Standheizung *ganz sicher* von den Zusatzbatterien gespeist wird – hmm, wie passt das jetzt wieder alles zusammen?

Als wir am nächsten Tag, bei herrlichem Wetter, den Campingplatz verlassen wollen, …

… drehen die Vorderräder durch und wir brauchen zusätzliche Man-Power, um unser Automobil wieder flott zu bekommen, …

… eigentlich erstaunlich, angesichts der nur wenige Millimeter tiefen Mulde hier:

Bei Sonne sieht die Welt dann gleich viel schöner aus …

… und auf dem Weg entdecken wir …

… interessante schweizer Kuhglocken aus verschiedenen Jahren:

Der Frost erschafft viele ästethisch schöne Eindrücke:

Wir fahren nach Thun, wo im Parkhaus mit VW-Bus tauglicher Deckenhöhe von über 2,20 Metern, ganz modern, besetzte Flächen mit Rot und freie mit Grün angezeigt werden:

Ebenso, wie der Gang zur Stadt in Rot …

… und Grün beleuchtet wird:

Auf dem Berg thront das Schloss Thun mit interessanter Bauweise …

… und hinter dem Thunersee ragen die Berner Alpen empor, …

… davor tummeln sich sehr fotogen Enten und Möwen:

Am Abend parkieren wir dann auf einem (zur Zeit wohl) kostenlosen Wohnmobilstellplatz …

… und meine „Dame vom See“ bäckt uns noch ein Brot für das Frühstück, das extrem lecker ist, aber eher wie eine gebrochene glühende Bremsscheibe aussieht:

Am nächsten Tag geht es auf einer schmalen Straße über den Berg …

… und anschließend wieder hinab zum Thunersee, …

… hinter dem von meiner Peakfinder-App bereits das berühmte Dreigestirn „Eiger“, „Mönch“, und „Jungfrau“ angezeigt wird:

Nachdem wir Interlaken hinter uns gelassen haben, fahren wir noch nach Grindelwald, …

… wo gerade die Zahnrad-Wengernalpbahn ankommt:

Weil uns das Wetter aber zu kalt und wolkig ist, fahren wir da nicht mit und werfen stattdessen nur noch einen kurzen Blick auf die berüchtigte Eiger-Nordwand, …

… bevor wir uns dann wieder auf den Heimweg machen. Am Ende tanke ich 74 Liter Diesel, …

… was übrigens etwa 192 Kilogramm Kohlendioxid für den Klimawandel bedeutet:

Damit sich diese Investition noch mehr lohnt und vielleicht auch ein bisschen von der Tastatur des Hughes-Typendrucktelegrafen aus Bern inspiriert, habe ich mir bei der Gelegenheit dann noch das E-Piano meiner Begleitung ausgeliehen, mit dem Vorsatz endlich einmal richtig Klavierspielen zu lernen:

Und apropos lernen – auf der Fahrt durfte ich auch mal wieder meinen Sprachschatz erweitern, hier eine Liste mit für mich neuen Wörtern aus der Schweiz:

  • Posten: Einkaufen
  • Parkieren: Parken
  • Kontrollnummer: Autokennzeichen
  • Schiesstabelle: Ballistische Tabelle für die Artillerie
  • Natel (von NAtionales autoTELefon): Handy
  • Jux: Witz
  • Knacknuss: Schwieriges Problem
  • Restauration: Wiederherstellung eines politischen Zustands oder sich im Restaurant wieder stärken

Der letzte Begriff wurde mir übrigens netterweise noch ausführlich vom Restaurator Tim erklärt, dafür an dieser Stelle nochmals besten Dank 😉

Liebe Grüße wieder vom Philosophenweg!

Michael Holzheu

PS: Wie immer an dieser Stelle noch die Filme zum Ausflug:

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4 Kommentare zu “Schweizer Informatik im Winter
  1. Max Briner sagt:

    Lieber Michael,
    deine Stimme wohl bekannt, die äussere Erscheinung mit Bart, ganz unerwartet! Steht Dir aber gut!
    Die 3 Filme benötigen noch etwas mehr Zeit um sie zu würdigen. Die grobe Durchsicht verspricht aber viel!
    Das Vorspiel, das ich eben vorab mal in Ruhe durchgesehen habe, ist schon toll, akribisch aufgezählt, was da so alles los war!
    Deinen Sprachsatz kannst Du auch noch mit einem Punkt erweitern: Schießtabelle schreiben die Schweizer als Schiesstabelle, wir kennen kein ß seit Jahrzehnten!
    Mit diesem Wissen kannst Du Dich schon als Schweizer-Sprachenkenner ausgeben.

    In der Hoffnung Dich wieder einmal zu sehen,
    grüsse ich Dich in bester Gesundheit ganz herzlich.

    Max
    Meine Webseite macht meine Tochter auf kleinstem Nenner!

  2. Jos Dreesen sagt:

    Falls Du mal eine emulierten Lilith rumspielen möchtest :
    meine Emulator „Emulith“ leistet da gute Dienste.

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