Bayern zu Corona-Zeiten

Ich bin immer noch auf der Suche nach einer potenziellen neuen Heimat und schon seit längerem liebäugle ich mit dem, was Immobilien angeht, noch halbwegs bezahlbaren Niederbayern. Passenderweise hat meine „Dame vom See“ auch gerade wieder Zeit, also wollen wir uns die Gegend zusammen einmal genauer anschauen.

Außerdem würde ich gerne noch die Nature Community besuchen, welche sich in der Oberpfalz befindet. Und für mein Thema Computergeschichte habe ich einen Termin beim gerade im Aufbau befindlichen Computeum in Vilshofen vereinbart.

Insgesamt werden wir durch vier der sieben bayerischen Regierungsbezirke kommen, nämlich durch Schwaben, Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz:

Quizfrage: Welche drei Regierungsbezirke fehlen noch?

Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken

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Aber vorher muss der VW-Bus erst noch im württembergischen Schwaben vollgetankt werden:

Dann geht es den Bodensee entlang, …

… wo sich Sand-Up-Paddeler, …

… Graureiher …

… und hübsche junge Damen tummeln:

Hinter dem See können wir bereits die Bayerischen Alpen erkennen:

Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Vilshofen zum Computeum:

Die Fenster des früheren Ladengeschäfts sind jetzt mit einem Poster zur Computergeschichte überklebt, …

… wo unglaublich detailliert auf die Entwicklung unserer EDV eingegangen wird, …

… zum Beispiel auch auf die Hollerith-Maschine, welche hier sogar mit dem „Start der EDV“ tituliert wird:

Darüber haben wir ja bereits im IBM Labor einen schönen Film gedreht. Das Museum in Vilshofen soll die Entstehung des PCs beleuchten und zeigt dazu passende Exponate, zum Beispiel die Singer 1501 von George Cogar, …

… welche bereits einen integrierten Nummernblock besitzt:

Wir sehen ein 8 Zoll Diskettenlaufwerk von IBM mit beachtlichen Ausmaßen, …

… den wahrscheinlich ersten Bus für Microcomputer, den Altair- oder S-100-Bus von 1975, …

… den Intel 8080-basierten Sol-20 von 1976, …

… den Texas Instruments TI-99/4 mit Plastiktastatur von 1979  …

… und schließlich den Nachfolger TI-99/4A von 1981 mit „ordentlicher“ Tastatur:

Dann steht hier übrigens noch die Nummer 63 der Commodore C64 Gold-Edition, …

… dessen jüngeren Bruder mit der Nummer 336 ich ja bereits aus dem Berliner Technikmuseum kenne.

Ziemlich erschöpft von den vielen Informationen parken wir anschließend auf einem Wohnmobil-Stellplatz bei Vilshofen und machen zur Erholung noch einen kleinen Abendspaziergang entlang der Donau:

Rechter Hand sehen wir eine große Graugans-Familie:

Ob da vielleicht irgendwo Nils Holgersson mit seinem Hamster Krümel dazwischen herumtollt?

Wir folgen dem „Donauplanetenweg“, wo Modelle unserer Himmelskörper im richtigen Maßstab und Abstand aufgestellt sind:

Am frühen Abend absolviere ich dann noch die letzte online Theoriestunde für meinen Motorradführerschein mit Zoom:

Prinzipiell echt super, was man mit der modernen Technik heutzutage alles anfangen kann, aber genügend Bandbreite braucht man dann dafür schon. Für die 90 Minuten Schulung werden dann immerhin 1,4 Gigabyte oder etwa 2 Euro meines mobilen Datenvolumens verbraucht. Dann wird es langsam dunkel hinter der Donau in Vilshofen …

… und meine Begleitung macht schon mal die Wärmflaschen für die immer noch recht kalte Nacht fertig:

Am nächsten Tag geht es dann weiter Richtung Süden nach Passau, wo wir uns erst mal die Universität anschauen, …

… welche im Jahr 2009 die Auszeichnung „Deutschlands schönster Campus“ erhalten hat:

Und tatsächlich ist es auch wirklich hübsch hier, die Universität liegt direkt am Inn, …

… alles sieht recht neu aus und auch auf eine ansprechende Architektur wurde offensichtlich viel Wert gelegt:

Wir schlendern an der Uferpromenade entlang …

… und werden wieder von zwei Graugänsen beehrt:

Weil ich die mobile Toilette meiner Begleitung nicht benutzen will, bin ich froh, als ich der Nähe des markanten Schaiblingsturms …

… mal wieder eine …

… richtig gute Einrichtung finde:

Weiter geht’s dann bis zur Mündung des Inns in die Donau:

Hier mal eingezeichnet unser Weg durch die Stadt und die Stelle, wo wir uns gerade befinden:

Weiter geht es durch die Altstadt, wo sich Häuser in einem auffallend guten Zustand präsentieren …

… und uns als Schwaben dieses „Gässle“ erfreut, …

… welches (jetzt wieder) Schwabgäßchen heißt:

Dann kommen wir noch am barocken Dom St. Stephan vorbei, …

… welcher, wie es sich für eine „ordentliche“ Kirche gehört, auf der zwar nicht sehr hohen aber trotzdem höchsten Erhebung zwischen Donau und Inn steht:

Dann verlassen wir die schöne Stadt Passau wieder und machen uns auf die Suche nach der ersten potenziellen Immobilie. Dabei fahren wir durch den (in gewisser Weise) südöstlichsten Teil Deutschlands, der mit den vielen Hügeln und Wiesen wirklich wunderschön aussieht:

Währen wir bei einer Pause die Aussicht genießen, …

… machen wir nebenbei noch den Blindtest, ob nun der teure oder der billige Kaffee besser schmeckt:

Auf der (am Ende erfolglosen) Suche nach dem Objekt, kreisen wir einmal um den Ort Untergriesbach:

Irgendwann geben wir auf und suchen uns ein abgelegenes Plätzchen, …

… wo ich dann zum ersten Mal unter Realbedingungen die Außendusche ausprobiere, was mit Waschlappen und wenig Wasserverbrauch erstaunlich gut funktioniert:

Bei einem einsamen Tennisplatz am Ortsrand wird es dann wieder Abend:

Am nächsten Tag geht es erst mal zum Egginger See, wo wir uns dann erst mal ein bisschen in der Sonne entspannen, …

… ganz genauso, wie dieser Angler neben uns:

Dann besuchen wir den „Garten der Sinne“, wo zum Beispiel ein Gong …

… und eine Windharfe zu erleben sind:

Meine Begleitung identifiziert dann diese schönen Blümchen am Wegesrand als „Butterblumen“, …

… was sich dann auch als korrekt, aber laut Wikipedia nicht ganz exakt herausstellt. Meine nützliche Plantnet App klärt uns dann auf, dass unsere Butterblumen dieses Mal wohl Sumpfdotterblumen sind:

Und zu all dieser Schönheit liefert das Universum mir dann auch noch etwas Praktisches, nämlich dieses voll funktionsfähige DIXI-Klo:

Dann machen wir uns auf die Suche nach Immobilie Nummer Zwei, …

… welche wir dieses Mal dann über Google Maps auch ausfindig machen können:

Es ist ein Holzhaus mit vier Fischteichen, …

… wo uns dann auch noch diese hübsche Blindschleiche über den Weg läuft:

Wir wollen weiter Richtung Regen und auf dem Weg machen wir kurz Halt in dem Pfarrdorf Ranfels, dessen Kirchlein sehr exponiert auf einem Berg thront:

Weiter geht es Richtung Norden, wo sich dann schließlich, noch schneebedeckt, der höchste Berg des Bayerischen Waldes zeigt, …

… nämlich, mit seinen 1456 Metern, der Große Arber:

Wir haben das Navi auf Nebenstraßen eingestellt und ich bin dann froh, dass mein VW-Bus mit seinen 2,06 Metern Höhe nicht ganz so hoch, wie ein „richtiges“ Wohnmobil ist:

Nach 801,6 Kilometern …

… wird dann aufgetankt und Kopfrechnen ist angesagt:

73 Liter auf 801 km macht dann einen Schnitt pro 100 km von ...?

9,1 Liter

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Schließlich erreichen wir die Stadt Regen, welche wahrscheinlich nach dem Fluss Regen benannt wurde, der hier hindurchfließt.

Der Ort ist mir noch in guter Erinnerung, weil ich dort als Jugendlicher einmal mit dem FC Zöschingen für eine Woche im Sportcamp war. Weniger gut in Erinnerung habe ich das Freundschaftsspiel gegen die Regener Jugendmannschaft aus einem anderen Jahr, wo wir eine wirklich schlimme Klatsche hinnehmen mussten.

Das Zentrum wirkt …

… recht ausgestorben:

Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken und schlendern trotzdem mit einen Eisbecher „To Go“ noch etwas durch die Stadt. Als wir weiterfahren wollen, kommt plötzlich ein Pärchen auf uns zu und interessiert sich für unseren VW-Bus.

Die beiden heißen Hannes und Sabine, sie haben vor kurzem auch ein Wohnmobil gemietet und sind dabei auf den Geschmack gekommen – deshalb das Interesse. Nach einer kurzen Vorstellung des Californias frage ich noch, ob wir bei ihnen vielleicht Wasser nachtanken dürften. „Kein Problem!“ heißt es und schon fahren wir zu ihnen nach Hause, wo ich den Frischwassertank dann wieder auffülle:

Beim mehrfachen hin- und herlaufen von der Küche zum Bus, komme ich an einer Tür vorbei, an der jede Menge Corona-Nachrichten hängen, unter anderem auch eine von unserem mittlerweile ja bundesweit bekannt-berüchtigten Tübinger Bürgermeister:

Hannes und Sabine sind sehr gastfreundlich und laden uns noch zu einem Plausch im Garten ein:

Dabei erfahren wir, dass Hannes in Regen regelmäßig auf dem Stadtplatz gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Das erklärt dann wohl auch die Zeitungsauschnitte an der Tür. Am Ende werden schließlich noch Adressen ausgetauscht. Auf Empfehlung der beiden gehen wir danach noch kurz in den Kurpark, …

… wo mich insbesondere diese langsame Wasserkraftschnecke beeindruckt, …

… welche wohl ganze 70% der potenziellen Energie in Strom umwandelt, um etwa 57 Haushalte zu versorgen:

Vom niederbayerischen Regen fahren schließlich weiter ins oberpfälzische Cham, welches sich [kaːm] ausspricht und auch als „Regenbogen Stadt“ bezeichnet wird, weil hier der Regen einen Bogen macht:

In Schaufenstern sehen wir Plakate gegen die Corona-Schließungen, welche Hannes vorhin noch im Gespräch erwähnt hatte:

Waren die Regelungen vielleicht doch etwas überzogen? Passend dazu hat dieser Kollege …

… möglicherweise einen treffenden Spruch in seinem Buch:

Wie auch immer – diesem Hund hier scheint die ganze Diskussion sowieso egal zu sein:

Am Marktplatz sehen wir dann einen wirklich besonderen Brunnen, der mich mit seiner Langsamkeit ein wenig an die Wasserkraftschnecke aus Regen erinnert:

Die Stadt Cham gibt sich fortschrittlich mit gut dokumentierter E-Bike-Ladestation …

… und kostenlosem WLAN, …

… das auch mit einem beeindruckenden Durchsatz glänzt:

Ok, vielleicht liegt das auch daran, dass außer uns gerade fast niemand da ist, genauso wie auf der Regen Brücke, …

… wo aber zumindest früher wohl Menge Menschen unterwegs waren:

Ein Stückchen weiter Richtung Norden kommen wir durch ein Dorf, …

… dessen Farben fast so aussehen, wie auf dem Empfangs-Schild der Nature Community, …

… die wir wegen der strengen Corona-Regeln nun leider nur von außen kennenlernen dürfen:

Nach dem kurzen Zwischenstopp geht es weiter nach Regensburg, wo ich auf dem Parkplatz mal wieder froh bin, dass mein California nicht ganz so breit, wie ein „richtiges“ Wohnmobil ist:

Hinter der Steinernen Brücke fließt der Regen in die Donau, …

… wobei sich das Wasser erst mal vom Bayerischen Wald ca. 100 km nach Nordwesten bewegt wird, bevor es dann über die Donau in fast genau gegengesetzter Richtung wieder nach Südosten fließt:

Wir dürfen noch den Auftritt eines Jet-Skis bewundern, …

… genauso wie viele andere Menschen, …

… welche meist in Corona-tauglichen Zweiergrüppchen zusammensitzen:

Auf der Brücke spielt ein Musikant …

… und wir genießen noch ein wenig den Blick auf die Stadt, …

… aber so langsam wird es Zeit, …

… dass wir weiter ziehen und vielleicht sollte auch irgendwann einmal …

… sein, dann müssten wir in der Stadt auch nicht die ganze Zeit die nervigen …

Aber am Ende muss sich wohl jeder seine eigene Meinung bilden …

… und es bleibt zu hoffen, dass wir auch alle schlau genug dafür sind:

Ach ja eins noch: Es gibt übrigens auch in Regensburg kostenloses BayernWLAN:

Auf der Weiterfahrt geht es am nächsten Tag über Feldwege mit tiefen Fahrrinnen, …

… wo der California mit seinen knapp 20 cm (?) Bodenfreiheit aber noch einigermaßen gut drüber kommt:

Auf dem Weg zum Starnberger See kommen wir an vielen Hopfenfeldern vorbei …

… und erreichen dann schließlich das fast 20 km lange Gewässer:

In Starnberg haben sogar die „normalen“ Läden geöffnet, …

… aber hinein gelassen wird man nur mit negativem Schnelltest:

Diesmal hilft mir mal Google Maps, eine öffentliche Toilette zu finden:

Von einer Verkäuferin erfahre ich, dass in Bayern seit Wochen wohl FFP2 Masken in Lebensmittelgeschäften getragen werden müssen, also erwerbe ich gleich eine davon:

Die Immobilienpreise laden nicht gerade dazu ein, am Starnberger See zu bleiben, …

… wobei sie hier sicher eine Null vergessen haben:

Da können diese beiden Kollegen „Haubentaucher“ …

… und „Bläshuhn“ wirklich froh sein, dass sie vom Immobilienboom kaum betroffen sind:

Es geht weiter nach Herrsching zur berühmten Benediktinerabtei Kloster Andechs, …

… deren Kirche wohl ursprünglich gotisch war und nachträglich „barockisiert“ wurde:

Im Innern ist sie recht aufwändig …

… im Rokokostil gestaltet:

Draußen entdeckt meine Begleitung diese Hochbeete und berichtet, dass diese immer mehr in Mode kommen, weil man sich da nicht mehr so bücken muss:

Dann verlassen wir das Kloster wieder und statten dem naheliegenden Ammersee noch einen kurzen Besuch ab:

Dieser wird wohl im Gegensatz zum vornehmeren „Fürstensee“ (Starnberger See) häufig auch als ländlich geprägter „Bauernsee“  bezeichnet:

Das ist dann auch die letzte Station für uns hier in Bayern und wir fahren wieder zurück nach Baden-Württemberg zum schwäbischen Meer, wo wir noch einen wirklich sehenswerten Sonnenuntergang geboten bekommen:

Neben ein paar Kollegen …

… übernachten wir vor einem geschlossenen Campingplatz:

Weil meine Begleitung noch Saatgut einkaufen will, besuchen wir am nächsten Morgen …

… noch eine Gärtnerei, wo man interessante Steinköpfe kaufen kann …

… und die mit einer wirklich wunderschönen Umgebung aufwartet:

Das war dann auch die letzte Station unserer kleinen Reise. Für die 6 Tage haben wir zwei Frischwasser-Füllungen benötigt, also etwa 45 Liter Wasser:

Außerdem haben wir 144 Liter Kraftstoff verbraucht, …

… was bei 1.641 km sowohl nach Adam Riese als auch dem VW-Computer einen Durchschnittsverbrauch von 8,7 Liter macht:

Dafür haben wir aber auch einiges erlebt und durften wieder jede Menge Neues dazulernen.

Liebe Grüße aus Tübingen!

Michael Holzheu

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