Bautagebuch: Cool bleiben!

Der eigentliche Grund, warum ich gerade ein Haus im Hunsrück baue, war ja mein ursprüngliches Interesse an einem Campingplatz, welcher dort aktuell noch zum Verkauf steht. Wie bereits berichtet, wurde dann aber am Ende mein Angebot abgelehnt.

Herr Dambach, den ich auf meiner letzten Reise in Hahnenbach kennengelernt habe, schickt mir netterweise einen Zeitungsausschnitt, wo berichtet wird, dass es jetzt wohl bei den verbleibenden fünf Bietern so langsam in die letzte Runde geht:

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück in Tübingen und komme nun endlich dazu, die DVD vom Schinderhannes Spielfilm anzuschauen, die ich vor ein paar Wochen bestellt habe:

Das Werk über den berühmten deutschen Räuber und seine Hunsrückbande wurde ganz in der Nähe meines Bauplatzes gedreht. Mindestens einmal kann ich sogar exakt die Landschaft zuordnen, durch die das Traumpaar Curd Jürgens und Maria Schell läuft:

Nach dieser kurzen Einleitung aber wieder zurück zur weniger romantischen Realität des Hausbauens: Wegen Problemen mit der KFW-Förderung im Zusammenhang mit der Proxon Kühleinheit, hat mich Herr Wolf wieder zum Musterhauszentrum nach Fellbach gebeten, um den Vertrag nochmals zu überarbeiten.

Auf dem Weg dorthin erinnert mich ein sehr spezielles Hochzeitsauto wieder an meinen Talmud-Plan und auch an die Tatsache, dass das Eheleben oftmals eben nicht *nur* Friede, Freude, Eierkuchen bedeutet:

Anschließend treffe ich mich mit Herrn Wolf, der bereits mit seinem Kollegen Herrn Lachenmeyer im Musterhaus auf mich wartet:

Weil es jetzt bereits Anfang Juli ist, wurde mein Haus von Okal mal wieder umbenannt: Nach „Design 11“ und „Kickoff 2021“ heißt es jetzt schließlich „Cool Summer 21“:

Als ich auf dem Laptop den neuen Namen in mein Google Docs Arbeitsdokument eintrage, kommt prompt auf meinem Handy, nur eine Sekunde später, ein YouTube Videovorschlag für genau dieses Haus – das nenne ich mal konsequente Kundendatenverwertung:

Weil sich im neuen Quartal die Konditionen für den Vertrag etwas verändert haben, passen Herr Wolf und ich zusammen anschließend meine Kalkulation noch entsprechend an:

Im Vergleich zur letzten Berechnung kommt jetzt sogar ein etwas kleinerer Endbetrag heraus, weil sich die KFW-Förderung mittlerweile erhöht hat. Die beiden Herren bieten mir dazu noch einen Gutschein für die Smart Home Steuerung „Somfy“ an, den ich aber höflich ablehnen muss, um meinem Motto „Immer Besser (auch?) Manuell“ nicht untreu zu werden.

Nachdem wir die 20 Dokumente wieder akribisch genau ausgefüllt haben, überprüft Herr Lachenmeyer ganz im Sinne des höchsten Okal-Werts, …

… trotzdem nochmals das umfangreiche Vertragswerk und ich verliere im Anschluss noch die Wette um eine Flasche Sekt, dass er darin keinen Fehler mehr findet.

Anschließend gebe ich den beiden noch eine 5-Sterne Google-Bewertung und schreibe dort, dass ich mich schon sehr auf mein zukünftiges Haus freue. Vielleicht können wir ja zum Richtfest nächstes Jahr dann diese große Tonne hier wiederverwenden, um noch ein paar Flaschen Sekt mehr zu kühlen:

Beim Verlassen des Hauses muss ich schließlich noch diese interessant versteckte elektrische Klimaanalage ablichten, auf die wir im weiteren Verlauf des Blogs noch einmal zurückkommen werden:

Wieder in Tübingen zurück, schaue ich mir am Abend dann noch das in Fellbach von YouTube vorgeschlagene Werbevideo an und erfahre, dass die ersten 100 Hauskäufer noch eine coole Überraschung bekommen – na da freue ich mich doch schon darauf:

Am Ende des Videos, das aktuell 62 Aufrufe hat, werden dann noch die wichtigsten Daten, wie zum Beispiel die Kniestockhöhe von 130 Zentimetern eingeblendet, was ich aber (leichtsinnigerweise?) nicht weiter beachte.

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Zehn Tage später absolviere ich am Tübinger Güterbahnhof …

… mit dem Ernst-Bloch Chor meinen ersten öffentlichen Auftritt. Nach anschließender gemütlicher Runde im Neckarmüller, …

… trinke ich auf der Treppe vor dem Musikladen in der Mühlstraße mit Bert vom Bass noch ein letztes Bier und lasse dann dort anschließend aus Versehen meine Mappe liegen, in der sich mein iPad mit den Noten befindet.

Am nächsten Tag werde ich durch einen Anruf von der Firma Schneider aus dem Hunsrück geweckt, wo mir mitgeteilt wird, dass mein iPad wohl in Tübingen gefunden worden sei. Es stellt sich heraus, dass sich in der Mappe noch das Angebot befand, auf dem die Telefonnummer von Schneider Bau sowie mein Name vermerkt war:

Manchmal gibt es schon merkwürdige Zufälle, oder? Ende Juli geht es dann zum Berurkundungstermin nach Kirn, wo ich mit Bürgermeister Schmidt und dem Notar Lampert den Kauf des Grundstücks in Hennweiler besiegle:

Anschließend treffe ich mich noch mit meinem zukünftigen Nachbarn Dirk, der mir schon mal zeigt, wo der Grenzstein zwischen unseren Grundstücken liegt:

Ich mache noch ein paar Fotos von der Gegend und messe grob ab, …

… wieviel man am oberen Teil des Grundstücks auffüllen müsste, um aus der schiefen Ebene der Streuobstwiese …

… eine nutzbare Ebene herzustellen. Ach ja, wo wir gerade dabei sind, apropos „schiefe Ebene“:

Ich mache für Herrn Wolf noch eine kleine Fotoserie von der Abzweigung in unsere Straße, der diese dann an Okal weiterleitet. Denn ich habe schon länger etwas Bedenken, dass der große Sattelschlepper mit dem Haus später vielleicht nicht über den Knick kommt. Zumindest die Müllabfuhr hinterlässt hier laut Dirk wohl immer wieder mal hässliche Schleifspuren, …

… ähnlich unschön übrigens, wie die Kalkschlieren bei meinem VW-Bus, die durch verdunstendes Trinkwasser entstehen, welches immer wieder in scharfen Kurven aus dem Tank rinnt:

Zurück in Tübingen, ärgert mich mein teurer Reisebegleiter dann gleich wieder: Sein Fahrradträger klappt nämlich ab Tempo 180, durch den Luftwiderstand bedingt, einfach ungefragt herunter:

In einigen Punkten stimmt hier meiner Meinung nach das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht. Ganz im Gegensatz zu dem Grundstück in Hennweiler, für das ich im Anschluss dann den Kaufpreis überweise.

Und apropos Preis-Leistung: Nachdem mir die Spanische Gitarre für 2.000 Euro immer zu teuer war, hat der Musikladen in Tübingen jetzt endlich mein langersehntes Instrument bekommen, welches sowohl toll klingt als auch preislich mit 1.300 Euro noch halbwegs meinen Vorstellungen entspricht. Innerhalb weniger Tage verliebe ich mich regelrecht in meine neue musikalische Begleitung:

Für diesen Beitrag habe ich mit der hübschen Lady mal meine eigene (noch etwas holprige) Interpretation des Okaler „Cool Summer“ Themas eingespielt:

Aber wieder zurück zum Hausbau, wo zwei neue Rollen besetzt werden: Der Architekt und der Vermesser betreten jetzt die Bühne. Für letzteren hat mir der Hennweiler Bürgermeister Herrn Schlich empfohlen, der dann anschließend von Herrn Wolf kontaktiert und mit dem von Okal gebuchten Architekten Herrn F. vernetzt wird.

Herr Schlich arbeitet für die Firma „S&B Vermessung“, die in pfälzischen Kusel ansässig ist. Ich bekomme ein Angebot für die nötigen Vermessungsleistungen, für das ich im 110 Euro günstigeren Kombipaket, zusammen mit 19% Mehrwertsteuer, brutto etwa 2.500 Euro bezahlen müsste:

Nach einer kurzen beratenden E-Mail von Herrn Wolf, …

Vermesser nehmen erst die Höhendaten auf, stellen nach Baugenehmigung ein Schnurgerüst, überprüfen nach Bodenplatte bzw. Keller, ob und wie die Position im Grundstück eingehalten wurde und dokumentieren nach Baufertigstellung alle Istdaten fürs Liegenschaftsamt. Das wären in unserer Gegend 4 Vororteinsätze à 1000 bis 1500 Euro zzgl. Fahrtkosten, also zwischen 4.500 und 6000 Euro zzgl. 0,70 Euro/Fahrt-km. Im Durchschnitt im Ländle sind zwischen 3.500 und 4.500 Euro anzusetzen.

… nehme ich dann als sparsamer Mensch das Angebot natürlich auch sofort dankend an.

Mittlerweile hat der Architekt Herr F. Kontakt zu mir aufgenommen und zur Vorbereitung des ersten Telefonats schicke ich ihm die Bilder von der Umgebung, sowie eine Zeichnung, auf der ich schon mal grob meine Vorstellungen dokumentiert habe:

Ich sehe auf dem Bild bereits, dass mein Haus wahrscheinlich nach oben etwas über das alte Baufenster hinausragen wird, das mein Nachbar Dirk bereits voll ausgeschöpft hat. Zum Glück soll das aber gerade wegen eines anderen Bauvorhabens um 12 Meter nach oben erweitert werden.

Ich erstelle dann noch ein Anforderungsdokument, in dem ich so ziemlich alles festhalte, was mir zu dem Haus gerade einfällt und ich unter anderem auch die möglichen Nutzungsszenarien beschreibe. Obwohl Herr F. erst am 22. August offiziell von Okal den Auftrag bekommt, führen wir schon am 17. August das erste offizielle Telefonat, wo wir uns kennenlernen und dann zusammen mein Dokument besprechen. Ich bekomme drei TODOs mit auf den Weg, die ich dann auch zeitnah erledige:

  • Ich schicke ihm den Bebauungsplan
  • Ich kläre mit dem Bürgermeister, dass die Erweiterung des Baufensters um 12 Meter Ende September offiziell sein wird
  • Ich kläre mit der KFW die Förderungs-Voraussetzungen für die Einliegerwohnung: Separater Eingang, Bad, Küche, Schlafzimmer

Als dann die Antwort meines Architekten eintrifft, bin ich erst mal geschockt . Ich habe doch tatsächlich übersehen, dass in den Textfestsetzungen des Bebauungsplans unter Punkt 8.1 eine maximale Kniestockhöhe von 60 cm vorgeschrieben ist und mein Haus aber mit 130 cm mehr als das Doppelte mitbringt:

Oh Mann, habe ich jetzt echt das falsche Haus bestellt ? Hätte ich vielleicht doch besser das Formular zum Rücktrittsrecht bei fehlender Baugenehmigung unterschreiben sollen ? Muss ich mir jetzt irgendwo einen anderen Bauplatz suchen ?

Zumindest den Passus Nummer 5 mit der Höhenlage hatte ich (hoffentlich) richtig verstanden. Darüber habe ich bereits vor einiger Zeit zusammen mit Bürgermeister Michael in Hennweiler gegrübelt. Hier ein Schaubild, um mein aktuelles Verständnis der beiden Begriffe zu verdeutlichen:

In der kommenden Nacht bin ich so aufgeregt, dass ich nur sehr wenig Schlaf bekomme. Einen Tag darauf führe ich ein längeres Telefonat mit Herrn Wolf, der meint, dass wir das Problem schon irgendwie lösen werden. Mit seinen 10 Jahren Erfahrung in diesem Job strahlt er eine sehr beruhigende Gelassenheit aus. Also cool bleiben heißt jetzt wohl die Devise . Außerdem berichtet mir der erfahrende Berater noch, dass Herr F. mein Anforderungsdokument wohl als hilfreich empfunden hat, was meine Stimmung dann zusätzlich noch etwas bessert .

In der Folge macht mein Architekt noch Vorschläge, wie man das Haus trotz des niedrigeren Kniestocks irgendwie sinnvoll hinbekommt, zum Beispiel wäre eine Verbreiterung des Gebäudes um 30 cm eine Option.

Dann frage ich beim Bürgermeister Michael an, ob wir vielleicht eine „Projektbezogene Befreiung“ bzw. „Abweichungsgenehmigung“ für die Kniestockhöhe bekommen könnten. Der meint aber, dass das problematisch sei, weil wohl in der Vergangenheit bereits ähnliche Anfragen abgelehnt wurden. Trotzdem würde er schauen, was geht.

Als ich wieder mal meine „Zweite Freundin von Nebenan“ besuche, messe ich in ihrer Dachwohnung nach, was denn 60 cm Kniestockhöhe im Vergleich zu 130 cm in der Realität bedeuten würden:

Herr Wolf meldet sich ein paar Tages später wegen einer anderen Sache nochmals bei mir und informiert mich, dass ich die komplette Förderung für die KFW-55 Erneuerbare-Energien-Klasse oder Nachhaltig­keits-Klasse nur dann erhalte, wenn ich explizit auf die Kühlfunktion der Proxon Luftheizung verzichte. Andernfalls würde ich nur die „normale“ KFW-55 Förderung erhalten:

Weil das für die zwei Wohneinheiten immerhin einen Unterschied von 16.500 Euro macht, entscheide ich mich nach kurzer Bedenkzeit dafür, das Kreuz an der – für kühle Rechner – richtigen Stelle zu machen:

Schade, ich hatte mich eigentlich schon voll auf die tolle Proxon Kühlfunktion gefreut. Aber mit dem gesparten Geld kann ich wahrscheinlich viele Jahre den Strom für die eingangs erwähnten Klimaanlagen bezahlen.

Als ich beim wöchentlichen Mittwochslauf meinen alten IBM Kollegen, ein wenig peinlich berührt, über die Sache mit dem Kniestock berichte, schlagen sie mir vor, dass ich vielleicht frühzeitig einen Experten für die Baubegleitung hinzuziehen sollte. Deshalb rufe ich nach dem Lauf gleich mal bei der DEKRA an und erfahre, dass sie dort bis Ende des Jahres wegen „Corona-Stau“ keine Aufträge mehr annehmen würden. Auch bei anderen großen Anbietern sei es wohl gerade nicht besser. Mir wird noch empfohlen, nach einem kleinen privaten Sachverständigen zu suchen. Deshalb schreibe ich mal wieder Bürgermeister Michael an, der meint, dass er mir bei meinem nächsten Besuch im Hunsrück vielleicht jemanden vermitteln könne.

Herr F. hat sich mittlerweile bei Okal erkundigt, welche Architektenleistungen gerade im Hausvertrag enthalten sind und welche zusätzlich vom Bauherrn bezahlt werden müssen. Netterweise bekomme ich dann noch einen Preisnachlass, so dass wir brutto auf zusätzlich 1.850 Euro kommen:

Außerdem sind jetzt die Daten vom Vermesser da und damit hat Herr F. einen ersten „Einordungsplan“ für das Haus mit Garage entworfen, den ich anschließend in einer nächtlichen Sitzung auf dem Balkon eingehend studiere:

Wir vereinbaren ein Telefonat für den 26. August, um das Werk noch vor seinem Urlaub zu besprechen: Dabei lasse ich noch eine Regenwasserzisterne und die ebene Fläche im Bereich der Streuobstwiese in den Plan eintragen. Ein paar Tage später unterschreibe ich dann den Einordungsplan, welcher anschließend vom Architekten an den Geologen zur Erstellung des Baugrundgutachtens weiterleitet wird.

Herr F. trägt mir auch noch auf, seine Urlaubszeit zu nutzen, um mir selbst drei schlüssige Konzepte für die Raumaufteilung im Haus auszudenken. Er schickt mir dafür auch noch eine Übersicht für mögliche Treppenvarianten:

Außerdem empfiehlt mir der Architekt noch, bei der Verwaltung Kirner Land die Sache mit dem Kniestock vorzutragen. Deshalb rufe ich anschließend bei Herrn Siegel von der Bauleitplanung an und berichte ihm von meinem Problem. Er meint, dass Anfang nächster Woche sowieso eine Sitzung zu der geplanten Baufenstererweiterung stattfindet und er dort dann auch mein Anliegen mit dem Kniestock vorbringen würde. Im Anschluss schicke ich ihm zur Unterstützung noch eine E-Mail mit der Argumentation meines Architekten:

Vom Grunde her ist diese Festlegung im B-Plan bezüglich Kniestock per se unsinnig, dies auch im Zusammenhang mit der Verbreiterung der Baulinie nach hinten und somit auch einer „höheren“ Höhereinordnungsmöglichkeit der Gebäude selbst – mit dann dahergehenden höheren Firsthöhen etc. hier sollte unbedingt eine Korrektur seitens der Gemeinde zu dieser Festlegung getroffen werden. Denn wenn es um das allgemeine Erscheinungsbild der Siedlung geht, dann sind die Dachneigungen und maximalen Firsthöhen zum Straßenniveau oder dergleichen wohl eher Maßgebend als ein Kniestock.

Vielleicht hat ja dieser Satz den Unterschied gemacht, jedenfalls bekomme ich wenige Tage danach die Nachricht von Herrn Siegel, dass beschlossen wurde, die Kniestockbeschränkung ganz aus dem Bebauungsplan zu streichen – juhu, jetzt wird vielleicht doch noch alles gut!

Soviel zum aktuellen Stand meines Bauvorhabens. Also immer cool bleiben, oder wie es der deutsche Schinderhannes vielleicht etwas volksnaher ausdrücken würde: „Immer locker durch die Hose atmen!“

Liebe Grüße
Michael Holzheu

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