Auf den Spuren von Konrad Zuse

Ich bin ja immer noch beim Sammeln von deutschen Computermuseen und heute geht es dafür nach Hünfeld zum Konrad-Zuse-Museum.

Als ausgewiesener Experte für den deutschen Computerpionier hat sich Klemens Krause netterweise bereit erklärt, mich dabei zu begleiten. Also hole ich ihn nach Dienstschluss an der Uni Stuttgart bei seinem Museum ab.

Der California ist aufgeladen und startklar:

Wir fahren ein gutes Stück Richtung Norden und schlagen dann unser Lager irgendwo in der Pampa neben einem Feldweg auf:

Da wegen Corona weder Hotels noch Campingplätze geöffnet haben, ist hier der VW-Bus durchaus eine praktische Alternative. Auf der anderen Seite des Tals thront eine schöne Burgruine:

Am nächsten Morgen geht es dann nach Hünfeld, wo Klemens beim Vorbeifahren das Ortsschild leider nicht ganz erwischt:

Dort sollte nämlich „Konrad-Zuse-Stadt“ stehen:

Zum Museum führt der Zuse-Lochstreifenweg, …

… der den Filmstreifen nachempfunden ist, welche für die Z1 und Z3 als Eingabemedium dienten:

Das Museum ist in einem wirklich hübschen Gebäude untergebracht …

… und auch das Schild ist sehr liebevoll gestaltet:

Drinnen begrüßt uns Herr Zuse …

… gleich mal mit der Bedienstation seiner Z3, dem offiziell ersten Computer der Welt von 1941:

Daneben steht die Z11, …

… die ab 1955 insbesondere für geodätische Aufgaben eingesetzt wurde und dafür bereits eingebaute Programme mitgeliefert hat:

Angeblich hat der Hausmeister das Exponat bis vor kurzem noch am Leben erhalten, aber jetzt wurde wohl endgültig vor den Alterungsprozessen kapituliert und das Gerät ist nun leider nicht mehr lauffähig.

Die Maschine ist, wie die Z3, aus schmuck aufgereihten Relais aufgebaut …

… und auch die Verkabelung ist durchaus sehenswert:

Dann besuchen wir die Z22 im Erdgeschoss, die parallel zur Z11 ebenfalls ab 1955 verfügbar war, …

… aber statt der Relais wurden hier etwa 400-600 Röhren verbaut:

Von Klemens erfahre ich, dass der Trommelspeicher Ersatzspuren für den Fall von Head-Crashes besitzt:

Wieder im ersten Stock zurück, sehen wir die Z23, …

… die dann 1961 die Röhren der Z22 durch Transistoren ersetzt hat:

Dann bewundern wir die Kompaktheit der Z25, welche zwei Jahre später, 1963 auf den Markt kam:

Klemens meint, dass das die „Unglücksmaschine“ war, welche aufgrund von Fertigungsproblemen, die Zuse KG dann wirtschaftlich stark in Bedrängnis gebracht hat. Schließlich sehen wir noch die letzte Maschine, welche bereits das Label der Firma „SIEMENS“ trägt, …

… die dann 1967 die Zuse KG schlussendlich übernommen hat. Dann gibt es noch Bilder aus Zuses Kindheit …

… und Ehe:

Nach seiner technischen Laufbahn widmete sich Zuse ausgiebig der Kunst …

… und malte zwischen 500 und 1000 eher abstrakte Bilder, obwohl das hier vielleicht auch der Kölner Dom sein könnte:

Am Ende führt Klemens noch das Hünfelder Addiermodell vor, …

… das zwar mechanisch ist, aber an dem elektrischen Z3 Schaltplan angelehnt ist:

Wer sich für die Details interessiert, hier der passende Erklärfilm dazu:

Nach Abschluss der Dreharbeiten laufen wir noch ein bisschen durch Hünfeld …

… und korrigieren dabei gleich am Anfang die Ausrichtung vom Museumsschild:

In der ganzen Stadt sind merkwürdige Sprüche verteilt:

Wir besuchen das Grab von Konrad Zuse …

… und ehren …

… seine Statue im Stadtpark:

Wir lesen die Inschriften:

Der Schöpfer der binären Gleitkommarechnung …

… wandelte wohl oft hier im Grünen:

Wie in der letzten Tafel angegeben, lebte Konrad Zuse fast 40 Jahre (seit 1956 bis zu seinem Tod 1995) recht bescheiden im Haselgrund …

… und sein Haus hatte die Nummer 21:

Beim Bahnhof sehen wir nochmals Filmstreifen …

… und zum Glück dann noch ein *vollständiges* Ortsschild:

Sehr schön auch das Bild von Herrn Zuse in seinem legendären grünen Sessel (3:30) mit Aha-Likör aus lokaler Hünfelder Produktion:

Dann noch ein Zerrbild …

… vom großen Meister:

Als wir Hünfeld verlassen, müssen wir natürlich unbedingt noch an dem Zuse KG Logo vorbei, welches die Einheimischen auch als „Schlaftablette“ bezeichnen:

Nachdem ich Klemens wieder in Stuttgart abgeliefert habe, hat er dann doch noch eine Kleinigkeit vergessen. Das holt er am nächsten Tag, standesgemäß mit seiner antiken Göttin, der Citroën DS, im grünen Tübinger Philosophenweg ab:

Es lebe die Technik-Geschichte!

Michael Holzheu

PS: Hier natürlich noch der Film von unserem Besuch, der mit fast einer Stunde doch recht lang geworden ist: https://youtu.be/Azvw_K4w1Cs

Ein Kommentar zu “Auf den Spuren von Konrad Zuse
  1. Georg Holzheu sagt:

    Dieser Blog ist bestimmt nett für das IBM-Museum. Mir persönlich war Zuse nur rudimentär bekannt, aber es ist ja nie zu spät.

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