Gutachten TÜV Süd

Hier handelt es sich um eine manuell erstellte Kopie des 18-seitigen Gutachtens, welches von “TÜV Süd Tübingen” am 21. April 2022 an mich versandt wurde.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch den mehrstufigen Transformationsprozess von meiner mündlichen Aussage bis zu diesem Dokument inhaltlichen Fehler entstanden sind.

Folgende Änderungen im Vergleich zum Originaldokument wurden vor mir vorgenommen:

  • Inhaltsverzeichnis hinzugefügt
  • Nummerierung der Kapitel überarbeitet
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  • Wichtige Wörter fett hervorgehoben
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Inhalt

1. Anlass und Fragestellung der Untersuchung
2. Überblick über die Vorgeschichte
    2.1 Aktenübersicht
    2.2 Sonstige Informationen zur Vorgeschichte
3. Untersuchungsbefunde
    3.1 Verkehrsmedizinische Untersuchungsbefunde
        3.1.1 Ärztliches Untersuchungsgespräch
            3.1.1.1 zur Krankheitsvorgeschichte
            3.1.1.2 Zum Alkoholkonsum
        3.1.2 Körperlicher Untersuchungsbefund
        3.1.3 Laborbefund
    3.2 Verkehrspsychologische Untersuchungsbefunde
        3.2.1 Leistungsdiagnostik […]
        3.2.2 Psychologisches Untersuchungsgespräch
            3.2.2.1 Zur Biografie
            3.2.2.2 Zum Alkoholkonsum und zur Verkehrsauffälligkeit
4. Bewertung der Befunde
5. Beantwortung der Fragestellung

1. Anlass und Fragestellung der Untersuchung

Herr Holzheu erteilte uns den Auftrag, ihn zu begutachten. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde hat ihn aufgefordert, das Gutachten einer Begutachtungsstelle für Fahreignung vorzulegen.

Die Fragestellung lautet:

“Ist zu erwarten, dass Herr Holzheu auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs der Klasse A,. B,, ,C, C 1 E, T in Frage stellen?”

2. Überblick über die Geschichte

2.1 Aktenübersicht

Die Akten der Verkehrsbehörde lagen bei der Begutachtung vor. Folgende Sachverhalte wurden bei der Begutachtung berücksichtigt:

  16.07.2015 Trunkenheit im Verkehr mit einem Fahrrad (AAK: 10,,63 mg/ml; ca. 1,26 Promille um 23: 19 Uhr und BAK: 1,35 Promille um 23:54 Uhr; Tatzeit: 23:09 Uhr)

03.10.2021 Landespolizeidirektion Vorarlberg: Führen eines Kraftfahrzeugs (Motorrad) mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,25 mg/l oder mehr (AAK: 0,.31 mg/l; Tatzeit: 10:39 Uhr im Bezirk Bregenz)

2.2 Sonstige Informationen zur Vorgeschichte

Es wurden keine weiteren verkehrsmedizinisch oder verkehrspsychologisch relevanten Befunde vorgelegt.

Fachliche Bewertung der Vorgeschichte und Voraussetzungen für eine günstige Prognose Wissenschaftliche Untersuchungen aus früheren Jahren zeigen, dass. die Wahrscheinlichkeit erneuter Trunkenheitsfahrten mit der Zahl der registrierten Auffälligkeiten ansteigt. Bei zwei Alkoholdelikten in der Vorgeschichte ist eine erneute alkoholisierte Verkehrsteilnahme ohne geeignete Maßnahmen mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 60 % zu befürchten.

Die aktuellen Wiederholungszahlen bei zweifach alkoholauffällig geworden Fahrern in der Bundesrepublik Deutschland liegen allerdings deutlich niedriger, was nach zahlreichen Untersuchungsergebnissen auf die von den Behörden veranlassten Maßnahmen der Eignungsprüfung und Rehabilitation zurückzuführen ist.

Die individuellen Vorgeschichtsdaten lassen bei Herrn Holzheu die Schlussfolgerung zu, dass er zum Zeitpunkt der Auffälligkeit ein Trink-Fahr-Verlhalten entwickelt hatte, das eine hohe Wahrscheinlichkeit weiterer Fahrten unter Alkoholeinfluss begründet

Das Vorliegen wiederholter Verkehrsauffälligkeiten mit einer Blutalkoholkonzentration, die zur Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit oder zum Überschreiten gesetzlicher Grenzwerte führte, lässt Verhaltensgewohnheiten erkennen, die sich vom Verhalten der Durchschnittsbevölkerung unterscheiden und bereits weitgehend verfestigt waren.

Es ist also anzunehmen, dass. bei Herrn Holzheu in der Vergangenheit problematische Einstellungen vorgelegen haben und er an die festgestellten Alkoholtrinkmengen gewohnt war, so dass er übliche Gefahrensignale bzw. die Alkoholwirkung unterschätzte. Die zur Vermeidung von Alkoholfahrten erforderliche genaue Kontrolle dies Trinkverhaltens und kritische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit lagen offenkundig nicht mehr vor.

Wir können die Frage der Verkehrsbehörde (s. Teil 1) nur dann in einem für Herrn Holzheu günstigen Sinn beantworten, wenn gewährleistet ist, dass er das Atkoholtrinkverhalten ausreichend und stabil geändert hat.

Nach den Leitsätzen der Beurteilungskriterien ist davon dann auszugehen, wenn Alkohol allenfalls in geringen und kontrollierbaren Mengen getrunken wird.

Die Änderung ist stabil, wenn sie aufgrund einer angemessenen und nachvollziehbaren Motivation vorgenommen, wurde, Herr Holzheu über eine ausreichende Durchsetzungskompetenz verfügt und die Bedingungen die das frühere Trinkverhalten aufrechterhielten nicht mehr vorhanden oder nicht mehr wirksam sind (Hypothese A3).

Im Hinblick auf die Vermeidung einer Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluss ist zudem zu überprüfen, ob Herr Holzheu in der Lage ist, den Vorsatz, eine Fahrt nur dann anzutreten, wenn keine relevante Alkoholwirkung vorliegt, zuverlässig umzusetzen (Hypothese A4).

Sollte sich aus der Vorgeschichte oder den Befunden ergeben dass Herr Holzheu mit Alkohol nicht dauerhaft kontrolliert umgehen kann, wäre Abstinenz zu fordern (Hypothese A 1 und A2).

Weitere Bedingung für eine günstige Prognose ist das Fehlen von körperlichen Befunden, die entweder die Fahreignung direkt beeinträchtigen oder auf Alkoholmissbrauch bis in die jüngere Vergangenheit hindeuten sowie das Vorliegen einer ausreichenden psychologischen Leistungsfähigkeit (Hypothese A5 und A6).

3. Untersuchungsbefunde

Im Folgenden werden die Untersuchungsverfahren und Befunde dargestellt, die zur Klärung der Fragestellung (vgl. Abschnitt I) eingesetzt wurden.

3.1 Verkehrsmedizinische Untersuchungsbefunde

Die verkehrsmedizinische Untersuchung umfasst die Auswertung der Aktenlage und die anamnestische Befragung zu Gesundheitszustand und Begutachtungsanlass. So werden Symptome und Krankheiten, die mit Alkoholmissbrauch in Zusammenhang stehen können, besonders erfragt. Ferner wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, die besonders alkoholinduzierte Schäden erfassen soll. Durch eine laborchemische Blutuntersuchung wird zudem abgeklärt, ob eine durch Alkohol bedingte Schädigung der Leber vorliegt.

3.1.1 Ärztliches Untersuchungsgespräch

Aus dem Gespräch mit der ärztlichen Gutachterin geben wir diejenigen Passagen sinngemäß oder wörtlich wieder, die für die Beantwortung der Eignungsfrage von wesentlicher Bedeutung sind. Wörtliche Zitate stehen in Anführungszeichen.

3.1.1.1 Zur Krankheitsvorgeschichte

Herr Holzheu gibt an, er fühle sich am Untersuchungstag insgesamt gesund und leistungsfähig, habe keine verkehrsrelevanten Beschwerden.

Er stehe in Behandlung wegen einer bipolaren Psychose, nehme derzeit seit vielen Jahren regelmäßig 100 mg Quetiapin ein und sei damit stabil eingestellt. Früher sei er regelmäßig in psychiatrischer Behandlung bei Dr. R[…]. in Böblingen gewesen, jetzt werde es ihm seit vielen Jahren vom Hausarzt verordnet. Zuletzt sei er in diesem Zusammenhang vor etwa 15 Jahren in stationäre Behandlung gewesen.

Darüber hinaus stehe er nicht in regelmäßiger oder ständiger ärztlicher Behandlung (wegen verkehrsmedizinisch relevanter Erkrankungen) und nehme keine weiteren Medikamente regelmäßig ein.

Es liegen keine neurologische oder weitere psychatrische Erkrankung, keine Störungen des Herz- Kreislaufsystems, keine Blutzuckererkrankungen und keine Erkrankung der inneren Organe (Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse etc.) vor.

Insbesondere seien keine Gallensteine und keine Leberfunktionsstörungen (z.B. Hepatitis) bekannt.

Es bestehe keine für das Bedienen eines Fahrzeugs wesentliche Körperbehinderung. Eine Erwerbsminderung bestehe nicht. Er sei als Informatiker selbständig berufstätig.

3.1.1.2 Zum Alkoholkonsum

Er habe seit 1,5 Monate in Vorbereitung auf die MPU gar keinen Alkohol mehr getrunken. Davor habe er vor allem Bier konsumiert.

Er habe täglich getrunken, je nach psychischer Belastung  1-5(-6) Bier (0,5l) täglich.

Er habe immer wieder wochenweise pausiert, um zu checken, dass er keine Entzugserscheinungen habe . Das sei immer problemlos mögliche gewesen.

Er sei Biertrinker, 7 Bier bei einer Gelegenheit sei sein Limit. Selten habe er auch mal Schnaps getrunken, dann habe er auch mal 1/3 Flasche trinken können. Er könne sich auch zukünftig keine Feiern ohne Alkohol vorstellen, sonst werde es sehr langweilig.

Vor der Fahrt unter Alkoholeinfluss sei am Vorabend eine Hüttenparty gewesen. Vor dieser habe er bereits 4-5 Bier getrunken gehabt. Er habe sich dann hinreißen lassen, mitzutrinken. Es sein hochprozentiger Alkohol gewesen, er habe sich auch übergeben müssen. Er sei dann am Morgen eine Stunde zum Motorrad gewandert, habe sich danach klar und fit genug gefühlt. Er habe auch zu dieser Zeit ganz normal das Quetiapin eingenommen. Er habe nie den Eindruck gehabt, dass es die Wirkung von Alkohol dramatisch verstärkt habe. Es habe in der Vergangenheit nie zu Problemen geführt.

Zukünftig wolle er nicht mehr als ein Bier vor dem Autofahren trinken. Das werde er weiterverfolgen, er könne sich eventuell auch vorstellen, gar keinen Alkohol vor dem Fahren zu trinken. Dazu komme die Regel, dass er nach einem Abend wie auf der Hütte 24 Stunden nicht mehr Auto fahre. Seit der Fahrt unter Alkoholeinfluss sei er einmal betrunken gewesen, haben dann einen Tag gewartet, bis er gefahren sei.

Er habe bisher keine Entzugserscheinungen gehabt und habe auch nicht schon morgens getrunken. Filmrisse seien keine aufgetreten. Er habe noch keine Entzugs- oder Entwöhnungsbehandlungen durchgeführt.

3.1.2 Körperlicher Untersuchungsbefund

Alter: 50 Jahre, Größe: 1,635 cm, Gewicht: 60 kg, Algemeinzustand: gut
Haut und sichtbare Schleimhäute: unauffällig
Operationsnarben: keine (oder keine mit verkehrsmedizinischer Relevanz)
Herzaktion: regelmäßig, Pulsfrequenz: 72/min, RR: 160/85 mmHg
Auskultation des Herzens: ohne auffälligen Befund

Abdomen: ohne Resitenzen
Leber: unauffällig
Leberhautzeichen: keine

Obere und untere Gliedmaßen: frei beweglich

Hirnnerven: orientieren unauffällig
Augen: frei beweglich (kein Nystagmus, Pupillen seitengleich, prompte Reaktion auf Licht)
Motorik: keine Paresen

Koordinationsprüfungen: ungestört

(Untersuchungsumfang: Finger-Finger- und Finger-Nase-Versuch, Seiltänzergang, Einbeinstand, Romberg-Versuch)
Vergetativum: unauffällig

Orientierender psycholpathologischer Befund unauffällig

3.1.3 Laborbefund

Zum Ausschluss einer durch Alkohol bedingten Leberzellschädigung wurde die Enzyme GOT, GPT und Gamma-GT bestimmt. Mit einem standardisierten photometrischen Verfahren wird die Enzymaktivität dieser Leberfunktionsparameter gemessen.

Bei Herrn Holzheu wurden bei den alkoholsensitiven Laborparametern folgende Befunde ermittelt:

Enzym Ermittelter Wert (U/L) Norm Frauen (U/L) Norm Männer (U/L)
GOT 35,7 ≤ 35 ≤ 50
GPT 39,0 ≤ 35 ≤ 50
GGT 30,8 ≤ 40 ≤ 60

Dei Normbereiche für die Leberenzyme GOT, GPT und Gamma-GT sind laborabhängig verschieden und können sich deshalb von früher erhobenen Befunden oder von den Befunden anderer Labors in ihrer Bewertung unterschieden. Sie umfassen trotz unterschiedlicher Wertebereiche dieselbe statistische Streubreite (95% der Gesamtpopultation).

3.2 Verkehrspsychologische Untersuchungsbefunde

[…]

3.2.1 Leistungsdiagnostik

[…]

Die folgende Tabelle wurde von mir aus den Daten das originalen Dokuments extrahiert:

Test Testresultat Prozentrang (Max=100)

Test zur Messung der Aufmerksamkeit und Konzentration (COG/S11)

Mittlere Zeit “Korrekte Zurückweisung” 27
Test zur Messung der Belastbarkeit und des Reaktionsvermögens (DT/S1) Anzahl Richtige 87
Test zur Messung visuellen Wahrnehmungsleistung (ATAVTIS1) Überblicksgewinnung 38
3.2.2 Psychologisches Untersuchungsgespräch

Herr Holzheu wurde zu Gesprächsbeginn über den Sinn, die Zielsetzung und die wesentlichen Inhalte des pychologischen Untersuchungsgesprächs informiert. Die Fragestellung/en der Behörde sowie die dahinter stehenden Annahmen wurden erläutert. Dabei wurde Herr Holzheu auch auf die Bedeutung unrealistischer, widersprüchlicher Angaben für das Ergebnis der Begutachtung hingewiesen.

Im weiteren Gesprächsverlauf hatte er sodann Gelegenheit, sich zu seiner Vorgeschichte zu äußern, aber auch seine gegenwärtige Situation zu schildern und Vorsätze sowie Zukunftspläne darzustellen. Die Angaben werden während des Gesprächs schriftlich aufgezeichnet, soweit sie für die Beantwortung der Fragestellung/en bedeutsam sind. Um Missverständnisse zu vermeiden und Ergebnisse abzusichern, werden Rückfragen gestellt und Rückmeldungen, über gutachterliche Schlussfolgerungen gegeben. Am Ende des Gesprächs erfolgt eine individuelle Ergebnis- oder Sachstandsmitteilung und es werden Hinweise zur weiteren Vorgehensweise gegeben, soweit dies zu diesem Zeitpunkt der Befunderhebung möglich ist.

Das Untersuchungsgespräch mit Herrn Holzheu dauerte von 08:51 bis 09:55 Uhr.

3.2.2.1 Zur Biografie

Herr Holzheu gibt an, dass. er am 11.09.1971 in Heidenheim, an der Brenz geboren sei. Er sei ledig und habe keine Kinder. Er habe das Abitur erlangt und ein Studium im Bereich lnformatik abgeschlossen. Derzeit sei er selbstständig als Softwareentwickler. Er orientiere sich auch gerade um, zum Bauwesen, habe begonnen ein Haus zu bauen, das interessiere ihn auch noch andere Dinge wie Rechtswesen. In seiner Freizeit beschäftige er sich gerne mit Joggen, beschäftige sich viel mit Computern und wandere auch .

3.2.2.2 Zum Alkoholkonsum und zur Verkehrsauffälligkeit

  16.07.2015 Trunkenheit im Verkehr mit dem Fahrrad (AAK: 0,63 mg/ml; ca. 1,26 Promille um 23:19 Uhr und BAK: 1,35 Promille um 23:54 Uhr; Tatzeit: 23:09 Uhr) An dem Tag sein ein Fest seiner Firma gewesen, man sei zusammengesessen und habe gegrillt. Er sei mit dem Fahrrad hingefahren, habe etwas trinken wollen und habe dann auf Feldwegen zurückfahren wollen. Es sei ein schönes Fest gewesen. Er denke, sei schon lange her, habe wahrscheinlich habe er von 16 Uhr sechs bis sieben Halbe Bier getrunken, das bis ca. 22:30 Uhr, dann sei er mit dem Fahrrad losgefahren. Er habe den Alkohol schon gespürt, habe aber gedacht, dass er den Feldweg noch gut erwische und dann nach Hause fahren könne. (Dann?) Er habe sich dann in dem alkoholisierten Zustand an der Ausfahrt vertan, sei auf einer Bundesstraße gelandet, habe das realisiert, sei auf dem Standstreifen weitergefahren, dann sei die Polizei gekommen und habe ihn kontrolliert.

(Trinkgewohnheiten vor Juli 2015?) Der Konsum sei sehr moderat gewesen, könne es nicht genau sagen, habe jeden zweiten Tag ein Bier getrunken.

(Trinkmengen wie am Tag der Fahrt?) Das sei eher selten gewesen, sei zu besonderen Anlässen schon mal mehr geworden, so zweimal im Jahr.

(Alkoholfahrten mit dem Fahrrad?) Das sei nicht so häufig vorgekommen, beim Studium sei er scho mal sturzbetrunken gefahren, sei da an einem Pfosten  hängengeblieben.

(Alkohol und Fahrrad?)  Er habe das nicht so ernstgenommen, das sei klar ein Fahler gewesen, habe gedacht, er bekomme das mit dem Feldweg hin und sei sehr überrascht gewesen, dass das überhaupt passiert sie.

(Verändert am Trinken nach Auffälligkeit) Er habe sicher erst einmal nichts verändert, habe nach der Arbeit weiterhin sein Bier getrunken, habe eine stressige Arbeit gehabt, sei durch das Feierabendbier runtergekommen , habe sich entspannen können.

(Wochenende?) Da habe er sicherlich auch mal zwei bis drei Bier getrunken, sei aber moderat gewesen. Sei dann aber mehr geworden an Menge.

 2017 (2015) sei er nach Tübingen gezogen, da sei der Konsum angestiegen, habe keine Beziehung gehabt und habe gedacht, er gehe in die Stadt, um jemanden kennenzulernen. Das sei dann viel gewesen, sei alleine durch die Kneipen am Wochenende gezogen, habe auch viel Stress gehabt bei der Arbeit, sei dadurch auch runtergekommen, habe abschalten können. Er habe da viel getrunken, sicherlich in der Menge wie am Tag des Fahrraddeliktes, so 5 bis 7 Halbe Bier, in der Regel am Wochenende.

(Schnäpse?) Nein, er sei ein Biertrinker gewesen, habe das auch gut vertragen.

(Trinkverhalten vor Oktober 2021?) Das sei nochmal mehr geworden, habe dann auch unter der Woche getrunken, nicht nur ein Bier, sondern auch 3 Halbe Bier. Er habe die Arbeit beendet und habe eine Frau kennengelernt, mit der er Stress gehabt habe. Er hab auch noch Stress gehabt wegen einer alten Beziehung.

Der Konsum habe sich dann von der Kneipe in den häuslichen Konsum verlagert, weil er eine Beziehung gehabt habe und nicht mehr durch die Bars gezogen sei. Er habe immer auch Zeiträume gehabt, da habe er nichts getrunken, um den Alkoholkonsum zu kontrollieren, was er auch geschafft habe. In der Zeit sei er aber nie mit dem PKW alkoholisiert gefahren, sei immer Taxi gefahren. Seine Regel sei gewesen, ein Bier dann Fahren, habe er auch immer eingehalten.

(Fahrrad?) Nein, das habe er nicht mehr gemacht, sei nicht mehr alkoholisiert Fahrrad gefahren.

03.10.2021 Landespolizeidirektion Vorarlberg: Führen eines Kraftfahrzeugs (Motorrad) mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,25 mg/l oder mehr (AAK: 0,31 mg/l; Tatzeit: 10:39 Uhr im Bezirk Bregenz)

Er habe den Motorradführerschein gemacht, sei schon Herbst gewesen und habe sich ein Motorrad geliehen. Er habe eine Tour gemacht über Österreich, sei auf eine Hütte gewandert, sei schon oft das gewesen. Er sei gegen 19 Uhr da angekommen.

Er denke, er habe 4 bis 5 Halbe Bier getrunken, Trinkende sei 22:30 Uhr gewesen. Er sei dann noch in eine Party reingeraten und da seinen Schnäpse rumgegangen, habe einen Filmriss erlitten. Er sei gegen 00:30 Uhr auf sein Zimmer, habe sich übergeben und sei gegen 8 Uhr am Morgen aufgestanden.

Alkohol habe er am Morgen nicht mehr getrunken, ihm sei es gar nicht gut (?) gegangen, sei noch eine Stunde gewandert, dann sei er wieder gut drauf gewesen.

Er sei dann aufs Motorrad und losgefahren, habe überholen wollen, habe dann einen kurzen Blackout gehabt (?). und es sei ein Unfall passiert, sei mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidiert. Der AAK-Wert sei der Restalkohol gewesen vom Vorabend.

(Filmrisse?) Ja, das sei in der Zeit des hohen Konsums gewesen, habe immer wieder Filmrisse gehabt in der Zeit.

(Wirkung?) Er habe den Entspannungszustand gut gefunden, sei so ein Sorgenfrei-Trinken gewesen, Entlastungskonsum. Er habe das Bier weitergetrunken, um den Zustand halten zu können, wenn das Bier alle gewesen sei, habe dann [selten] Schnaps getrunken, sei aber nie auf die Idee gekommen, Auto zu fahren . das sei über einen Zeitraum von 6 Jahren gewesen, nochmal leicht verstärkt zum Ende.

(Negativ?) Nein, er habe das ganz gut vertragen, habe etwas Sodbrennen gehabt, sei sonst gegangen.

(Kontrollverluste?) Er habe nie ein Limit gehabt, habe kein Ziel gehabt, wenig zu trinken.

(Negative Rückmeldungen?) Ja, seine Mitbewohnerin habe gesagt, dass er mit Alkohol aggressiver werde, das wohl in sich habe, unterdrückte Aggressionen, denke er. Mit Alkohol senke sich die Hemmschwelle und die Leute aus dem direkten Umfeld haben das zu spüren bekommen.

(Schlechtes Gewissen?) Eher wenig, ihm sei alles egal gewesen, auch finanziell. Das Ausgehen in Bars sei auch alles sehr kostspielig gewesen, da habe er sich am nächsten Tag gedacht, habe das sein müssen, sei sehr großzügig gewesen und sei mit Taxis hin- und hergefahren.

(Verändert nach 03.10.2021?) Er habe erst einmal nichts verändert, habe nicht gedacht, dass etwas auf ihn zukomme, auch mit MPU. Er habe nicht mehr so extrem getrunken, habe aber nichts verändert.

Er habe auch gedacht, dass der Unfall nichts mit dem Alkohol zu tun gehabt habe. Er denke, auch noch jetzt, dass das so gewesen sei, denke mehr, dass er mit dem Motorrad nicht sicher gewesen sei. Der Überholvorgang sei vielleicht durch die Alkoholwirkung getriggert gewesen, habe es wahrscheinlich zu locker gesehen.

Er habe kein Problem gesehen, habe dann vor anderthalb Monaten aufgehört Alkohol zu trinken, wegen der MPU.

(Aufhören?) Er habe keine Entzugssymptome gehabt, habe jetzt gut verzichten können.

(Zukunft?) Das sei jetzt schwierig, er gehe ihm nicht schlechter, es gehe ihm gut. Es gebe auch Phasen, jetzt ein Bier zur Entspannung, das sehe er schon auch noch. Er habe auch so viele Feste erlebt, die seinen ohne Alkohol unerträglich gewesen, sei nicht gut darin, bei Festen, wo er nichts trinke, das sei sehr traurig. (Trinkmenge?) Das wisse er noch nicht so genau. Die Frage sei ja schon fast philosophisch.

(Trinken und Fahren?) Das sei ganz klar, nie wieder. (Planung? Strategien?) Er würde das so trennen, wenn ein lustiges Fest sei, dann würde er einen Tag, 24 Stunden, warten, so dass er gar keinen Alkohol im Körper habe, das sei seine Regel, da sei er ganz sicher, dann könne nie wieder etwas passieren. (Spontan?) Dann finde man eine Lösung, man buche nochmal eine Nacht dazu, sage den Termin dann ab, so dass er noch bleiben können. Wenn er ihn nicht absagen könne, dann nehme er sich ein Taxi.

(Andere Fahrzeuge, Trinken und Fahren?) Motorrad gelte wie Auto, kein Alkohol. Fahrrad, hmm, sei eine gute Frage. Ja, das sollte er auch so behandeln, hmm, schwierig…. Ja, es wäre sinnvoll es genauso zu behandeln, aber dann müsste er als Fußgänger auch aufpassen, dürfe nicht volltrunken laufen.”).

(Aufarbeitung?) Nein, das habe er in Bezug auf Alkohol noch nicht gemacht.

(Rückfallgefahren?) Das einzige könne sein mit dem Fahrrad, das könne sein, dass er die Kontrolle verliere und sich überschätze, was mit Alkohol ja eher passieren könne. Ansonsten sehe er keine Probleme, in der schlimmen Trinkphase sei er nie mit dem Auto gefahren, immer mit dem Taxi .

(Stabil?) Er sei zu 99,9 Prozent sicher , dass ihm das nicht mehr passiere. Außer er laufe zu Fuß betrunken und es passiere da etwas.

(Andere Delikte wegen Alkohol?) Ja, es laufe ein Verfahren wegen Beleidigung, mit der Freundin, sei seit letzter Woche wieder ein Kontakt mit ihr. Es sei zu einer Schlägerei mit ihr gekommen. Man sei zu zweit komplett betrunken gewesen, sei im März 2021 gewesen. Er habe auch wieder Erinnerungslücken gehabt, dann sei der Nachbar gekommen, dieser habe die Polizei gerufen. Er sei so wütend gewesen, habe dann den Polizisten beleidigt, der habe Anzeige erstattet, das Verfahren sei noch offen. (Sonst noch?)

Einmal, als er durch die Kneipe gezogen sie in Tübingen, habe er sich da total betrunken , sei dann von einem Krankenwagen aufgegriffen worden und in die Psychiatrie gebracht worden, sei nicht aktenkundig geworden.

4. Bewertung der Befunde

Herr Holzheu berichtet von einer langjährigen, derzeit seit längerer Zeit recht stabilen Biploaren Erkrankung. Ob bei dieser Erkrankung derzeit keine Einschränkung der Fahreignung mehr besteht, kann im Rahmen der vorliegenden Fragestellung nicht weitergehend beurteilt werden.

Nach den vorliegenden Befunden und nach Aktenlage sind aktuell darüber hinaus keine Erkrankungen oder Beeinträchtigungen festzustellen, die nach den Maßstäben der Begutachtungsleitlinien als fahreignungsrelevant einzustufen wären.

Die verkehrsmedizinische Untersuchung und Befragung erbrachten im Übrigen keine im Sinne der Fragestellung auffälligen Befunde oder Hinweise auf Beeinträchtigungen. Der früher vermehrt Alkholkonsum hat zu keinen gravierenden organischen Folgeschäden geführt, die das ausreichend sichere Führen von Kraftfahrzeugen – unabhängig von akutem Alkoholeinfluss – ausschließen würden.

Auch schwerwiegende psychiatrische Befunde waren in der orientierenden Untersuchung nicht zu erheben. Die aktuell gemessenen Kreislaufwerte (Blutdruck) sind situativ erhöht. Ein fahreignungsrelevantes Ausmaß ist aktuell hierbei nicht zu erkennen.

Die medizinische Untersuchung ergab keine Hinweise auf vermehrten bzw. unkontrollierten Alkoholkonsum in der letzten Zeit vor der Untersuchung. Weder im körperlichen Befund noch in der neurologischen Untersuchung fanden sich Anzeichen für einen aktuell erhöhten Alkoholkonsum. Auch die Untersuchung des Blutes auf Alkoholmarker (Leberlaborbefunde waren unauffällig).

Problematisch zu bewerten ist bei Herrn Holzheu jedoch die gleichzeitige Einnahme von Quetiapin (erforderlich zur Behandlung der bipolaren Psychose) und Alkohol. Da sich die Wirkstoffe in ihrer Wirkung auf das zentrale Nervensystem gegenseitig verstärken können, ist bei Herrn Holzheu auf jeden Fall eine Teilnahme am Straßenverkehr nur mit 0,00 Promille möglich.

Im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung fanden sich keine Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit.

Die von Herrn Holzheu in den Tests gezeigten Leistungen genügen, um sich verkehrsgerecht verhalten zu können. Die in den Begutachtuns-Leitlinien zur Kraftfahreignung für die betroffene Fahrerlaubnis geforderten Normwerte werden zwar nicht in sämtlichen Testverfahren erreicht, die aufgetretene Abweichung ist jedoch als isolierter Leistungsmangel und vor dem Hintergrund der Übrigen guten Befunde als kompensierbar einzustufen.

Bei der Bewertung der Befunde ist zu berücksichtigen, dass die Angaben von Herrn Holzheu nur dann zur Beurteilung seiner individuellen Problematik herangezogen werden, wenn sie glaubhaft und nachvollziehbar sind.

Die im Rahmen der Untersuchung gemachten Angaben von Herrn Holzheu waren weitgehend in sich stimmig. Widersprüche mit der Aktenlage konnten nicht festgestellt oder korrigiert werden. Herr Holzheu zeigte zudem ein offenes und kooperatives Verhalten. Die Angaben sind daher für die Beantwortung der Fragestellung verwertbar.

Um die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluss hinreichend sicher beantworten zu können, war es zunächst erforderlich, den Grad der Alkoholgefährdung zu erfassen.

Auch wenn sich aus den Befunden keine sicheren Hinweise für eine Alkoholabhängigkeit oder eine grundsätzliche Unfähigkeit zur Trinkkontrolle ableiten lassen, sind doch stabile Korrekturen im Trinkverhalten erforderlich. Es muss insbesondere sichergestellt sein, dass Herr Holzheu nicht erneut vermehrt und unkontrolliert Alkohol konsumiert. Bei Herrn Holzheu ist mindestens vom Vorliegen einer Alkoholgefährdung auszugehen, es ergaben sich auch Hinweisen auf eine missbräuchliche Alkoholproblematik.

So ist es aus der Vorgeschichte abzuleiten, dass Herr Holzheu eine gegenüber der Durchschnittsbevölkerung gesteigerte Alkoholtoleranz aufweist . Herr Holzheu hat sich durch seine Alkoholisierung bereits wiederholt in einer gefährlichen oder zumindest kritischen Situationen vermeidbaren körperlichen bzw. gesundheitlichen Risiken ausgesetzt (bereits zwei aktenkundige Alkoholfahrten im Juli 2015 und im Oktober 2021).

Durch seine Angaben wird auch deutlich, dass er bei Trinkanlässen häufiger Trinkmengen konsumierte, die zu einer Blutalkoholkonzentration von deutlich über 1,1 Promille führten (“2017 bin ich nach Tübingen gezogen, da ist der Konsum angestiegen, habe keine Beziehung gehabt und habe gedacht, ich gehe in die Stadt, um jemanden kennenzulernen. Das ist dann viel gewesen, bin alleine durch die Kneipen am Wochenende gezogen, habe auch viel Stress gehabt bei der Arbeit, bin dadurch auch runtergekommen, habe abschalten können. Ich habe da wirklich viel getrunken, sicherlich in der Menge wie am Tag des Fahrraddeliktes, so 5 bis 7 Halbe Bier, in der Regel am Wochenende.”; Trinkverhalten vor Oktober 2021? Das ist nochmal mehr geworden, habe dann auch unter der Woche getrunken, nicht nur ein Bier, sondern auch 3 Halbe Bier.”;

[…]

Herr Holzheu gibt zudem an, dass er Alkohol konsumierte, um persönliche negative Spannungsgefühle und Belastungszustände zu kompensieren (“Ich habe den Entspannungszustand gut gefunden, ist so ein Sorgenfrei-Trinken gewesen, Entlastungskonsum. Ich habe das Bier weitergetrunken, um den Zustand halten zu können, wenn das Bier alle gewesen ist, habe ich dann Schnaps getrunken, bin aber nie auf die Idee gekommen, Auto zu fahren , das ist über einen Zeitraum von 6 Jahren gewesen, nochmal leicht verstärkt zum Ende,”).

Auch berichtet er immer wieder von Phasen des Alkoholverzicht in der Vergangenheit, in denen er seine Selbstkontrollfähigkeit prüfen wollte (naive Selbstdiagnose zum Ausschluss von Alkoholabhängigkeit), was weiterhin für eine äußerst problematische Alkholbeziehung spricht (Ärztliches Untersuchungsgespräch: “Ich habe immer wieder wochenweise pausiert, um zu ckecken, dass ich keine Entzugserscheinungen habe.”; Psychologisches Untersuchungsgespräch: “Ich habe immer auch Zeiträume gehabt, da habe ich nichts getrunken, um den Alkoholkonsum zu kontrollieren, was ich auch geschafft habe.”).

Sehr Kritisch ist weiterhin zu sehen, dass er, nach eigenen Angaben, auch außerhalb des Straßenverkehrs, im Zusammenhang mit dem Alkohlkonsums bereits wiederholt Probleme mit Polizei, Gerichten oder Behörden hatte (Andere Delikte wegen Alkohol? “Ja, es läuft ein Verfahren wegen Beleidigung, mit der Freundin, bin ich letzter Woche wieder in Kontakt mit ihr. Es ist zu einer Schlägerei mit ihr gekommen. Man ist zu zweit komplett betrunken gewesen, ist im März 2021 gewesen. Ich habe auch wieder Erinnerungslücken gehabt, dann ist der Nachbar gekommen, dieser hat die Polizei gerufen. Ich bin so wütend gewesen, habe dann den Polizisten beleidigt, der hat Anzeige erstattet, das Verfahren ist noch offen.”; Sonst noch? “Einmal, als ich durch die Kneipe gezogen bin in Tübingen, habe ich mich da total betrunken, bin dann von einem Krankenwagen aufgegriffen worden und in die Psychiatrie gebracht worden, ist nicht aktenkundig geworden.”).

Äußerst negativ ist bei Herrn Holzheu zu werten, dass er trotz bereits zwei aktenkundigen Alkholfahrten und auch wiederholten Problemen außerhalb des Straßenverkehrs im Zusammenhang mit dem Alkholkonsum, noch immer keine klare Problemeinsicht für sich erkannt hat. So wirken seine Angaben zu seinem früheren kritischen Trinkverhalten und den eigenen persönlichen Motiven und Ursachen seiner früheren hohen Trinkmengen noch wenig selbstkritisch reflektiert und kaum aufgearbeitet (“Ich habe erst einmal nichts verändert, habe nicht gedacht, dass etwas auf mich zukommt, auch mit der MPU. Ich habe nicht mehr so extrem getrunken, habe aber nichts verändert. Ich habe auch gedacht, dass der Unfall nichts mit dem Alkohol zu tun gehabt hat. Ich denke noch jetzt, dass das so gewesen ist, denke mehr, dass ich mit dem Motorrad nicht sicher gewesen bin. Der Überholvorgang ist vielleicht doch durch die Alkoholwirkung getriggert gewesen, habe es wahrscheinlich zu locker gesehen.”; “Ich habe kein Problem gesehen, habe dann vor anderthalb Monaten aufgehört, Alkohol zu trinken, wegen der MPU.”).

Auch ist kritisch zu sehen, dass Herr Holzheu nicht ausreichend konkret beschreibt, wie er in Zukunft kontrolliert Alkohol konsumieren möchte. So kann er den Alkoholkonsum bezüglich der Häufigkeit, der Trinksituationen, der Trinkmengen, Art der alkoholischen Getränke und des zeitlichen Verlaufs noch nicht differenziert benennen (???), um einen Rückfall in alte Trinkgewohnheiten zu vermeiden (Zukunft? “Das ist jetzt schwierig, es geht mir nicht schlechter, es geht mir gut. (Zukunft? “Das ist jetzt schwierig, es geht mir nicht schlechter, es geht mir gut. Es gibt auch Phasen, jetzt ein Bier zur Enstapannung, das sehe ich schon auch noch. Ich habe auch so viele Feste erlebt, die sind ohne Alkohol unerträglich gewesen, bin nicht gut darin, bei Festen, wo ich nichts trinke, das ist sehr traurig.”; Trinkmenge? “Das weiß ich noch nicht so genau. Die Frage ist ja schon fast philosophisch.”; Andere Fahrzeuge, Trinken und Fahren? “Motorrad gilt wie Auto, kein Alkohol. Fahrrad, hmm, ist ein gute Frage. Ja, das sollte ich auch so behandeln, hmm, schwierig…. Ja, es wäre sinnvoll es genauso zu behandeln, aber dann müsste ich als Fußgänger auch aufpassen, darf nicht volltrunken laufen.”).

So sind ihm rückfallbegünstigende Situationen noch nicht ausreichend bewusst, so dass derzeit auch noch nicht sicher einschätzbar ist, ob er zukünftige Verführungssituation konsequent und stabil bewältigen kann und ob ihm hierfür geeignete Strategien zur Verfügung stehen.

Unter Berücksichtigung aller in der Untersuchung eingegangenen Befunde und Aussagen von Herrn Holzheu kann folglich keine positive Prognose hinsichtlich der gestellten Fragestellung attestiert werden.

5. Beantwortung der Fragestellung

Beeinträchtigungen, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs der genannten Fahrerlaubnis-Klasse in Frage stellen, liegen nicht vor. Es ist jedoch zu erwarten, dass Herr Holzheu auch künftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird.

Es ist bei der vorliegenden Befundlage, die wenig selbstkritische Reflexion und keine ausreichende Problemeinsicht auf Seiten von Herrn Holzheu erkennen lassen, leider nicht möglich über die Beantwortung der behördliche Fragestellung hinaus konkrete Maßnahmen zu empfehlen, die eine günstige Entwicklung der Eignungvoraussetzungen von einer eventuellen späteren Begutachtung unterstützen könnten. Bei einer veränderten Bereitschaft zur selbstkritischen Auseinanderstetzung mit dem früheren Verhalten könnten jedoch zusammen mit Herrn Holzheu in einer weniger belasteten Atmosphäre eines verkehrspsychologischen Beratungsgesprächs evtl. doch Wege zur Verbesserung der Eignungsvoraussetzungen gefunden werden (Individuelle Aufarbeitung der zugrundeliegenden persönlichen Problematik im Rahmen einer fachpsychologischen Beratung).

Im Rahmen der Fahreignungsuntersuchung ergaben sich auch Hinweise auf eine verzichtbedürftige Alkholproblematik, sollte sich diese Problematik im Rahmen der fachpsychologischen Beratung erhärten, ist die Einhaltung einer Alkoholabstinenz einzuhalten:

Einhaltung einer Alkoholabstinenz und Nachweis in einem Alkoholabstinenzkontrollprogramm bestehen aus mind. sechs unvorhersehbar angeordneten, forensisch gesicherten polytoxikologischen Urinkontrollen im Verlauf von 12 Monaten. Das Programm muss, um nachvollziehbar zu sein, von einer neutralen und kompetenten Stelle nach den Vorgaben der Beurteilungskriterien (CTU-Kriterien) komplett durchgeführt werden und ist mit einer Stellungnahme abzuschließen. Der abschließenden Stellungnahme müssen die Durchführungsbedingungen und die verwendeten Untersuchungsmethoden detailliert zu entnehmen sein. Das Analyselabor muss eine Akkreditierung nach DIN EN ISO 17025 für forenschische Zwecke aufweisen.

Ergänzend oder alternativ dazu die Durchführung von vier Haaranalysen auf das Alkholabbauprodukt Ethylglucuronid. Es wird davon ausgegangen, dass für den Nachweis der Abstinenz pro Monat 1 cm Haar (von der Kopfhaut gemessen) herangezogen werden kann. Um eine Aussage über einen Abstinenzzeitraum von einem Jahr treffen zu können, wären demnach vier Haaranalysen im Abstand von 3 Monaten mit einer Haarlänge von jeweils 3 cm notwendig. Zum Zeitpunkt einer erneuten Begutachtung sollte das letzte Urinscreening bzw. die letzte Haaranalyse nicht längerfristig zurückliegen (maximal 4 Monate).

Dr. D. S. Ärztin
Dipl.-Psych. Dr. A. S.-B.
Dipl. Inf. M.H.