Zu Besuch im Deutschen Museum

Dieses Mal soll es nach München ins Deutsche Museum gehen, dem bezüglich der Ausstellungsfläche, größten Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt.

Erklärtes Ziel der Einrichtung ist es, dem interessierten Laien in verständlicher Weise naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse möglichst lebendig nahezubringen.

Zuletzt war ich als Kind da, aber die vielen anschaulichen Experimente, die man dort machen konnte, sind mir tatsächlich bis heute eindringlich in Erinnerung geblieben.

Das Logo des Museums ist übrigens eine Eule:

Bei uns werden diesen Vögeln meist Attribute, wie „klug“ oder „weise“ zugesprochen, aber in anderen Kulturkreisen verbindet man mit ihm auch oft andere Eigenschaften.

Bereits im Vorfeld habe ich mich mit Carola, der Kuratorin der Informatikabteilung, sowie der Pressestelle des Museums abgesprochen: Wir wollen Filme über die Kryptologie und die Zuse Maschinen drehen. Außerdem würde ich gerne noch in einen kurzen Rundgang dokumentieren, was es hier sonst noch so alles zu sehen gibt.

Eigentlich wollte mich Johannes von der Zegg-Gruppe auf der Tour begleiten, aber der fällt dann kurzfristig wegen Corona-Verdacht aus. Schade, denn ich wäre schon lieber zu zweit im California losgezogen:

Weil dann natürlich auch die Männerabende flach fallen, packe ich wenigstens noch „Die endgülte Vollversion“ von der IT Crowd ein:

Diese englische Serie behandelt auf sehr humorvolle Weise Kommunikationsprobleme zwischen Nerds und „normalen“ Menschen. Insbesondere die bekanntere amerikanische Fassung hat meiner Meinung nach die Akzeptanz von Nerds aller Art in unserer Gesellschaft deutlich erhöht. Ein weiterer Beleg für meine These wäre zum Beispiel der Adventskalender für Retro-Computer-Nerds, den es bei uns gerade im Supermarkt zu kaufen gibt:

Bevor es nach München geht, mache ich aber zunächst noch einen kleinen Umweg, um meiner Mutter nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren. Es gibt ein wirklich göttliches Mittagessen, nämlich Heidschnucken mit Knödeln: Und echte Küchen-Nerds wissen natürlich auch, …

... was dazu am besten passt, nämlich:

Blaukraut

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Am Nachmittag geht es mit dem VW-Bus zum nahegelegenen Friedwald und wir machen danach noch einen Spaziergang auf herbstlich-bunten Wegen. Anschließend gibt es zur wohlverdienten Stärkung dann Mamas leckeren Kuchen:

Abends schauen wir noch zusammen die Quizshow „Ich trage einen großen Namen“, wo diesmal Horst Zuse, der älteste Sohn von Konrad Zuse auftritt. Im Vergleich zu unserem letzten Treffen sieht er aber dank professioneller Maske um mindestens 10 Jahre jünger aus:

Am nächsten Tag geht es dann, wie geplant, ins Deutschen Museum, dessen Turm auf der Museumsinsel bereits von Weitem hinter der Isar zu erkennen ist:

Er zeigt vorne seinen Windmesser und hinten seinen Barometer:

Die anderen zwei Seiten haben dann noch ein Thermometer und ein Hygrometer. Ist ja auch klar, dass man viele Messdaten braucht, für ein typisch …

Wie geplant, treffe ich mich um 10:00 mit Carola, um das genaue Vorgehen für heute zu besprechen. Anschließend mache ich dann erst mal alleine einen Rundgang durch die, zu dieser Zeit (zum Glück) sehr ruhige, Informatikausstellung:

Ganz besoders fasziniert mich der Helixturm von Konrad Zuse, welcher mit der Beleuchtung wirklich toll aussieht:

Das Fundament der Konstruktion beherbergt ein Magazin mit vielen Plättchen, die beim Ausfahren dann automatisch zum fertigen Turm zusammengesetzt werden:

Dann geht es in den zweiten Stock hinauf, wo ich über blitzblanke Stufen, …

… eine Galerie erreiche, die für mich wie die Nachbildung eines Reinraums aussieht:

Nach dem Rundgang geht es mit Carola zum Mittagessen in die Kantine und danach in ihre Kryptologie-Kabine, wo ich einen wirklich schönen Vortrag über Verschlüsselung von der Antike bis zur Neuzeit präsentiert bekomme:

Angefangen beim griechischen Skytale Holzstab …

… über die hübsche, aber etwas unsichere Kryha Chiffriermaschine, …

… bis zum modernen prozessorgetriebenen ersten Crypto-Taschenrechner der Welt:

Und der Vollständigkeit halber, hier noch unsere streng geheimen Passwörter, die wir für die Erklärungen verwendet haben, nämlich „Blaukraut“ und „Eule, Eulee“:

Nach der Kryptologie bleiben mir noch zwei Stunden für die Z3 und Z4 Filme: Weil aber alle Zuse Experten vom hier momentan verhindert sind, muss ich zur Abwechslung mal selbst den Vortrag übernehmen:

Hmm ok, aber wer ist dann jetzt eigentlich der Kameramann? Zum Glück übernimmt diesen Job ein junger Mitarbeiter vom Deutschen Museum und wird so Teil des …

… Teams, welches dann auch wirklich gut zusammenspielt. Nochmals vielen Dank an dieser Stelle für den tollen Einsatz!

Und wo wir gerade beim Bedanken sind: Ich hatte das Glück, im Vorfeld mit einem Herrn vom Bedienpersonal telefonieren zu dürfen, welcher die Zuse Z3 über 17 Jahre vorgeführt hat:

Netterweise gab er mir noch den Tipp, ein eigenes Licht mitzubringen, um das Zuse KG Logo sichtbar zu machen, welches durch zweifarbige Relais gebildet wird. Außerdem wurde mir noch berichtet, dass Vorführungen leider nicht mehr möglich sind, weil die Stromversorgung der Maschine wohl den aktuellen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügt:

Eigentlich schade, denn der Film wäre mit laufender Maschine natürlich viel lebendiger geworden. Das ist jetzt aber nicht zu ändern, also versuche ich eben auf theoretischem Wege zu erklären, wie die Z3 mit ihren Relais funktioniert *hätte*:

Zum Glück habe ich das Buch von Professor Rojas dabei, das mir dabei gute Dienste leistet:

Nach der Z3 geht es zur jüngeren Schwester Z4, ebenfalls ein Relaisrechner, an dem aber ein mechanischer Speicher angeschlossen war, dessen Gehäuse fast wie ein Tischkicker ohne Stangen aussieht:

Die Daten mussten irgendwie zwischen den elektrischen Relais …

… und dem mechanischen Speicher übertragen werden:

Dies wurde mit einer ziemlich wilden Konstruktion auf der Rückseite des Steuerpults bewerkstelligt:

Weil das so unglaublich ausschaut, kommen mir nach dem Besuch Zweifel, ob nicht damit vielleicht stattdessen die Schreibmaschine angeschlossen war:

Aber dann habe ich im Internet ein Bild von der ETH Zürich gefunden, auf dem man gut sehen kann, wie eine Stange an der Welle angeschlossen ist und so das Bedienpult mit dem Speicher verbindet:

Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv (CC BY-SA 4.0)

Bei meinem Vortrag hilft mir diesmal neben dem elektrischen Merkzettel auf dem iPad, …

… auch noch die mechanisch ausgedruckte Z4 Bedienungsanleitung für die ETH Zürich vom Sommersemester 1952:

Um kurz vor sechs sind wir dann mit den Dreharbeiten fertig:

Mann-o-Mann, ganze acht Stunden im Museum! Na zum Glück habe ich mir zwischendurch mal eine Fußmassage gegönnt:

Wieder zurück im California, unterhalten mich dann am Abend …

… die zwei Computer-Nerds Roy und Moss, sowie ihre Normalo-Kollegin Jen:

Hey cool, die Glimmlampen der Z3 sehen doch fast so aus, wie diese Schalter vom Aufzug:

Oh je, jetzt sehe ich schon überall antike Computer, ob ich jetzt wohl selbst zum Nerd geworden bin? Ach was, das sehen doch sicher auch „normale“ Menschen und alle wissen außerdem, …

... welcher Computer hier hinten rumsteht, nämlich:

Und natürlich weiß auch wirklich jeder, …

... weshalb der Computer so heisst, denn:

Das englische Wort pet bedeutet auch „Haustier“ oder „Liebling“. Wie Chuck Peddle um 1990 in einem Interview erklärte, wurde der Name durch einen seinerzeit in den USA mit großem Erfolg verkauften Scherzartikel inspiriert: Pet Rock, ein Stein als Haustier. Das pflegeleichte Tierchen war in einer gepolsterten Schachtel erhältlich, inklusive einer Dressuranleitung. (https://de.wikipedia.org/wiki/PET_2001)

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Am nächsten Morgen brauche ich dann erst mal dringend einen Wiener Kaffee:

Anschließend treffe ich mich wieder mit Carola, diesmal im Untergeschoss der Schiffsabteilung, beim größten Gezeitenrechner der Welt:

Dieser 7 Tonnen schwere Analogrechner konnte das Verhalten von Ebbe- und Flut berechnen, was wohl eines der schwierigsten Probleme der physikalischen Geographie ist. Im Krieg war das zum Beispiel für die deutsche U-Boot Flotte wichtig.

Genauso wie übrigens auch die Marine-Enigma M-04 und passenderweise drehen wir danach genau für diesen Typ noch eine fehlende Szene nach:

Hoppla, hoffentlich fällt niemandem im Film auf, dass sich die Farbeinstellung der Kamera geändert hat und Carola jetzt plötzlich eine andere Bluse trägt:

Dann machen wir zum Abschluss noch einen kurzen Film über den mechanischen Speicher der Z1 und wollen die Dezimalzahl 3 auf Adresse 1 abspeichern, was binär dann eigentlich die 0011 in der zweiten Zeile ergeben sollte:

Leider stellen wir aber erstaunt fest, dass hier wohl „irgendjemand“ die Schalter für die Adressierung vertauscht hat:

Sollte das wirklich Konrad Zuse höchstselbst gewesen sein, so kann ich mir das eigentlich nur durch einen schlimmen Fehler in der Matrix erklären:

Egal, dadurch wurde der Film unbeabsichtigt zu einer schönen Demonstration für die in der Informatik leider so oft vorkommenden Verwechslungen: Also, wo war nochmal das erste Bit?

Die Deutsche Museumseule würde sicher klug und weise darauf antworten, nämlich:

Kommt drauf an, ...
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Drei ihrer Kollegen sind übrigens gerade zum Überwintern bei uns eingetroffen, aber sie sehen jetzt nicht besonders klug oder weise aus, sondern vielleicht eher:

Neugierig, ...
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Und die wirklich wahren Super-Eulen-Nerds haben natürlich längst erkannt, dass es sich hier wieder um unsere Tübinger Waldohreulen handelt, oder?

Liebe Grüße, wieder aus dem Philosophenweg

Michael Holzheu

PS: Und wie immer an dieser Stelle, die Filme zum Blog:

 

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