ZEGG, Z3 und wieder zurück

Es soll mal wieder nach Berlin gehen, wo ich nun endlich einen Termin beim Technikmuseum bekommen habe, um zusammen mit Professor Horst Zuse eine Vorführung seiner Z3r zu filmen. Die ersten beiden Anläufe diesbezüglich waren leider wegen Corona gescheitert. Zudem plane ich ein Interview mit ihm, um noch etwas mehr über die Hintergründe seines Nachbaus zu erfahren.

Vorher will ich aber erst noch eine Woche als Sommergast bei der Lebensgemeinschaft „Zentrum für Experimentelle GesellschaftsGestaltung“ (ZEGG) verbringen, um mich bezüglich alternativer Lebensweisen und der freien Liebe etwas weiterzubilden.

Hier also wieder mein Weg durch Deutschland:

Um beim Interview gut auszusehen, muss ich aber erst noch zum Tübinger Friseur …

… wo ich diesmal vom Top-Stylisten meine bisher teuerste Behandlung dieser Art erhalte:

Na ob sich die Investition für diesen Look …

… auch wirklich auszahlt? Dann geht es mit dem California …

… zunächst nach Nürnberg, wo ich mit dem E-Roller …

… die letzten Meter zu Nicole zurücklege, um mit ihr zusammen den Abend zu verbringen:

Sie meint, ich solle mir auf alle Fälle noch das Rotlichtviertel von Nürnberg anschauen, …

… wo es doch tatsächlich „Windows“ gibt, wo die Frauen um Kundschaft werben. Ich habe gehört, dass es so etwas in Amsterdam geben soll, aber von unserem konservativen Bayern hätte ich das jetzt echt nicht erwartet.

Die Nacht verbringe ich dann im VW-Bus, …

… irgendwo im Wald, wo es am nächsten Morgen …

… erst mal gemütlich Kaffee gibt:

Am Nachmittag erreiche ich dann die ZEGG …

… und weil ich etwas zu früh dran bin, überbrücke ich die Zeit mit einer Führung durch das Gelände:

Das 14 Hektar große Areal (etwa 28 Fußballfelder) haben die Gründer 1990 mit Hilfe von Kleinkrediten finanziert. Vorher wurde das Grundstück z.B. als Sportstädte für „Kraft durch Freude“ oder später als Spionage-Ausbildungsstädte für die Stasi verwendet.

Momentan werden insgesamt zwei Hektar für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt. Weil der sandige brandenburgische Boden aber recht unfruchtbar ist, wird hier Terra Preta (schwarze Erde) aus Holzkohle und Urin hergestellt:

Damit wächst dann wohl alles ganz wunderbar und im Jahr 2018 wurden insgesamt 28 Tonnen Grünzeug geerntet, was für die ca. 100 ständigen Bewohner sicherlich auch locker gereicht hätte. Allerdings versteht sich die ZEGG als Schulungsprojekt für „Wie macht man eigentlich Gemeinschaft?“ und deswegen werden jährlich über 5000 Gäste weitergebildet. Und für deren Versorgung muss dann natürlich vom Biohändler zugekauft werden.

Hier mein kompletter Mitschrieb von der Führung: ZEGG-Fuehrung-Info

Am späten Nachmittag trifft sich dann die Sommergast-Gruppe: Insgesamt sind wir fünf Männer und zwei Frauen. Unsere Betreuerin heißt „Kati“ und sie ist seit gut zwei Jahren dabei hier.

Ich bekomme den Stellplatz mit der Nummer „4“ zugewiesen und parke dann meinen California entsprechend:

Für die Stromversorgung muss ich aber erst den Bewohner „Björn“ fragen, der mir dann eine Steckdose in der Waldküche zeigt:

Zum Glück habe ich ein langes Kabel dabei:

Nach dem gemeinschaftlichen Abendessen geht es in das Hauptgebäude, …

… welches hier die „Uni“ genannt wird. Dort halten wir das ersten Gruppentreffen mit Kati ab, bekommen nochmals die wichtigsten Informationen und dürfen uns vorstellen.

In unserer Crew sind außer mir noch Johannes, Leonie, Oliver, Sarah, Sebastian und Tobias. Letzterer nimmt dann auch noch meine anschließende Einladung zum Après-Gruppentreff im California an:

Tobias hat theoretische Physik studiert und erklärt mir komplizierte Dinge, z.B. wie man sich die Krümmung des zweidimensionalen Raums vorstellen kann. Trotz des einsetzenden Regens schaut auch noch Leonie kurz vorbei, aber sie will schlafen und verabschiedet sich deshalb nach ein paar Minuten gleich wieder.

Die nächsten Tage laufen dann im Prinzip immer nach folgendem Schema ab:

  • 8:00-8:45: Frühstück im Gästehaus
  • 8:45-9:00: Arbeitseinteilung
  • 9:00-13:00: Arbeitseinsatz
  • 13:00-13:45: Mittagessen
  • 18:30: Abendessen
  • Gruppenstunde, je nach passendem Zeit-Slot von Kati

Beim Treffen für die Arbeitseinteilung werden die Leute dann auf die aktuell anstehenden Aufgaben verteilt, bzw. man kann auch sagen, welche der Angebote man besonders gerne wahrnehmen würde. Am ersten Tag gehe ich mit zum Unkraut jäten, …

… wo ich zusammen mit den Geschwistern „(Friede)Rike“ und „Simon“ jede Menge Franzosenkraut aus dem Möhrenfeld herausrupfe:

Die beiden sind Anfang zwanzig und kommen aus Hamburg. Bei der Arbeit unterhalten uns nett und ich lerne mit „Klönschnack“ mal wieder ein neues Wort kennen, welches mir Simon mit „schon zu viel geredet“ erklärt.

Nach dem Mittagessen ist viel freie Zeit, welche wir die folgenden Tage dann mit regelmäßigen Sitzungen vor der Dorfkeipe füllen:

Am Morgen des zweiten Tages begrüßt uns ein toller 2,5-fach Regenbogen:

Nachmittags parkt dann Oliver seinen Caddy aus Berlin …

… neben meinem California und so werden wir Nachbarn:

Er berichtet unter anderem über ein recht „wildes“ Projekt, wo er mit seiner Freundin zusammen ein Grundstück in Berlin besetzt hat und eine Gemeinschaft gründen wollte.

Die folgenden Tage, erledige ich dann verschiedenste Arbeiten, wie zum Beispiel die Befreiung des Campingplatzes …

… von Kiefernzapfen, …

… die Zähmung garstiger Brombeeren, …

… oder das akkurate Aufrollen von Löschschläuchen, …

… welche zum historisch anmutenden Equipment der ZEGG Feuerwehr hier gehören:

Ich selbst fotografiere nur wenig auf dem Gelände, aber zum Glück macht sich unser Kollege Johannes noch mit Olivers Fahrrad auf, um die wichtigsten Einrichtungen abzulichten: Da hätten wir zum Beispiel die ökologische Hackschnitzelheizung, …

… den großzügigen Campus, …

… die luftigen Außen-Sanitäranlagen,  …

… die bunten Bungalows, …

… das von Tobi und Oli neu gestrichene Gästehaus, …

… mit Terrasse und Regenzelt, …

… das Internetcafé mit WLAN, …

… und schließlich natürlich die Dorfkeipe …

… mit „unserem“ Außentisch, …

… dem schönen Platz davor, …

… sowie dem sozialen Sofa:

Alles in allem war die Woche durchaus lohnend für mich: Zwar hatte ich mir eigentlich mehr Kontakt zu den „Eingeborenen“ gewünscht, aber diese waren leider etwas scheu. Außer mit unserer Gruppe und den Leuten, die wir beim Arbeiten getroffen haben, gab es nur sehr wenige Begegnungen. Ich kann aber durchaus verstehen, dass es einem bei den hunderten von ständig wechselnden Gästen vielleicht irgendwann zu viel wird.

Auch was die freie Liebe angeht, konnte ich in dieser Woche keine zusätzlichen Erkenntnisse gewinnen und aus irgendeinem Grund hatte ich auch nur sehr wenig Kontakt zu unseren beiden Frauen. Deshalb war die Veranstaltung für mich eher ein Austausch unter Männern, was ich aber trotzdem sehr genossen habe.

Obwohl die Charaktere doch sehr unterschiedlich waren und nicht alle meine eher „traditionellen“ Ansichten teilten, haben wir uns doch gut verstanden. Sicherlich nie vergessen werde ich die extrem gegensätzlichen Reaktionen, als ich in der Kneipe den etwas deftigen Blondinen-Witz meiner „Ex-Freundin von Nebenan“ vorgelesen habe.

Eine Erkenntnis habe ich auf alle Fälle aus den sieben Tagen gewonnen: Die vier Stunden körperliche Arbeit pro Tag empfand ich als sehr angenehm und wohltuend. Mal sehen, ob ich das in mein zukünftiges Leben irgendwie integrieren kann.

Nach einer kurzen aber herzlichen Verabschiedung fahre ich dann am Sonntag Morgen weiter zu dem, schon bekannten, Campingplatz bei Berlin, wo ich ein letztes Mal meine Notizen für das Interview durchgehe:

Weil mich am nächsten Tag der Berliner Verkehr dann zu sehr aufhält und ich trotzdem unbedingt pünktlich sein will, parke ich verbotenerweise bei einer Tankstelle, welche ganz in der Nähe des Technikmuseums liegt:

Als ich von den Dreharbeiten zurückkomme, gibt es dann erst Mal einen gehörigen Einlauf von der Tankstellenwärterin und ich bezahle anschließend gerne noch die 10 Euro Parkgebühren:

Nachmittags treffe ich mich dann, wie geplant, nochmals mit Horst Zuse zum Interview. Auf dem Weg dorthin, fährt ein antiker Wartburg vor mir her, …

… und auch dieser Roller …

… bestätigt mal wieder meine Meinung, dass „Oldschool“ …

… doch irgendwie Stil hat! Horst Zuse wartet dann bereits vor dem Vis à Vis auf mich und versucht gerade, eine noch offene Frage zum Speicherwerk der Z3 zu klären, ganz klassisch auf Papier:

Nach dem Interview kaufe ich mir im Späti noch ein Bier, …

… welches ich dann nach der Nonstop-Rückfahrt vor dem Schlafengehen zuhause genießen kann:

Bis zum nächsten Mal in Berlin und liebe Grüße wieder aus Tübingen!

Michael Holzheu

PS: Wie immer an dieser Stelle, die Filme zur Tour:

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