Bautagebuch: Start mit OKAL

wird es ja Martin Luther zugesprochen, aber tatsächlich soll es wohl der Babylonische Talmud gewesen sein, welcher behauptet, dass ein Mann …

  1. zuerst ein Haus baue, …
  2. dann einen Weinberg pflanze und …
  3. erst dann eine Frau nehme.

Vielleicht lag es ja an der falschen Reihenfolge, aber mein erster Versuch, im März diesen Jahres gleich Punkt drei zu erreichen, ist nach nur einwöchiger Verlobungszeit leider unter größeren Schmerzen gescheitert.

Um also irgendwie vom 49-jährigen Jungen zum „richtigen“ Mann zu werden, …

… muss ich wahrscheinlich wohl oder übel doch *vorne* bei der Talmud-Liste anfangen und erst mal ein Haus bauen.

Um möglicherweise Zeit zu sparen, evaluiere ich noch die Abkürzung mit einer Bestandsimmobilie, aber am Ende entscheide ich mich dann doch für den langen und steinigen Weg.

Im Talmud steht ja auch schließlich „bauen“ und nicht „kaufen“, oder?

Bei meinem letzten Besuch im Hunsrück hatte ich mir bereits diverse Bauplätze angeschaut und auf der Suche nach einer schönen Aussicht, …

… bin ich am Ende in Hennweiler fündig geworden:

Schließlich fahre ich zu Bürgermeister Michael Schmidt und wir schauen zusammen den Bebauungsplan mit Textfestsetzungen für das Grundstück an:

Weil ich Tübingen so schnell wie möglich verlassen will, überlege ich mir zunächst, ob ich vielleicht noch dieses Jahr für 37.000 Euro dieses 28 Quadratmeter große Mikrohaus aus Österreich aufstellen lasse:

Das wäre möglicherweise sogar im Sinne der Nachbarn: Die Lebensgefährtin von Dirk hat mich nämlich bereits darauf hingewiesen, dass das Grundstück ja recht schmal sei. Dann würde man sich mit einem kleinen Haus nicht so auf der Pelle sitzen. Außerdem meint der Bürgermeister, dass das baurechtlich wahrscheinlich sogar möglich wäre.

gehe ich danach auf seine Empfehlung noch nach Meisenheim zur Baufirma Schneider, wo mir dann ein richtiges Haus aus Ziegeln angeboten wird:

Weil Schneider Bau aber frühestens im April nächsten Jahres mit dem Bau anfangen kann, prüfe ich, wieder im Schwabenländle angekommen, noch die Option „Fertighaus“ und fahre deshalb zum Ausstellung nach Fellbach, wohin mich dann ein echt fettes Bike eskortiert:

Hmm, ob ich mir nach der Führerscheinprüfung vielleicht auch so ein Teil hole? Egal, jetzt heißt es sich erst mal fokussieren, um hier möglicherweise mein Haus zu finden:

Ich schlendere über das Gelände und schaue mir dieses KFW-55 Tiny House für gut 50.000 Euro an, …

… wo die Wände entweder in Vollholz, oder in Holzständerbauweise mit Holzwolle nachhaltig (?) gedämmt, zu haben sind:

Danach besuche ich noch ein lichtdurchflutetes Haus, das wirklich sehr schön offen über zwei Stockwerke gebaut wurde. Leider dauert die Fertigstellung auch hier viel zu lange und außerdem vermute ich, dass die Architektur für meinen Geschmack dann doch etwas zu viel Platz verschwendet.

Als ich die Ausstellung schon verlassen will, entdecke ich auf einem Schild gerade noch den Schriftzug „Simmern“:

Na das kommt mir doch bekannt vor: Es handelt sich um ein Musterhaus von der Firma OKAL, deren Sitz im Hunsrück liegt. Da muss ich auf alle Fälle noch rein!

Ich werde von einem freundlichen Herrn empfangen, der sich als Achim Wolf vorstellt. Als ich ihm erzähle, dass ich ein kleines Haus für den Hunsrück suche, zeigt er mir erfreut das aktuelle Aktionshaus „Kickoff 2021“, welches im Katalog aber noch „Design 11“ heißt:

Ich zeige ihm kurz noch den Hennweiler Bebauungsplan und wir entdecken beide auf die Schnelle nichts, was gegen die Verbindung mit dem Gelände sprechen würde. Auch mein Wunsch, eine Einliegerwohnung im Kellergeschoss einzurichten, sei auf alle Fälle machbar.

Und zudem ist das Haus aktuell besonders günstig zu haben, weil man mit „Frühlings-“ und „Grundstücksbonus“ noch einiges gratis dazu bekommt. Außerdem spart man noch 6 Prozent, weil Anfang Juli eine Preiserhöhung bei OKAL stattfinden wird. Das geht aber alles nur, wenn der Vertrag bis Ende Juni den Vertrag fertig unterschrieben ist. Heute ist der 16. Juni, also müssen wir uns etwas sputen!

Mir gefällt das Haus sowohl in der Variante „Sommer-Links“, …

… als auch in der „Winter-Rechts“ Version:

Außerdem erscheint es mir sehr sympathisch und sinnvoll, dass die Firma im Hunsrück ansässig ist. Deshalb signalisiere ich Interesse und versichere, dass ich mich in den nächsten Tagen melden werde. Abends erhalte ich dann bereits eine E-Mail mit den ganzen Details und einem Terminvorschlag für ein Online-Meeting am nächsten Tag. Das muss ich aber erst mal ausschlagen, weil ich zunächst das viele Material sichten muss.

Herr Wolf hat offensichtlich meine schwäbische Neigung zur Sparsamkeit erkannt und weist mich zur Sicherheit nochmals auf das ganze Sparpotenzial hin. Außerdem erhalte ich noch Informationen zu den Solardachziegeln, welche OKAL von den Firma Nelskamp bezieht und die ich der Optik wegen gerne auf dem Dach haben würde:

Dann schaue ich mir noch die mögliche KFW Förderung für das Haus an, wo man pro Wohneinheit aktuell 22.250 Euro bekommen kann. Von der Firma Schneider weiß ich, dass sich die KFW Konditionen Anfang Juli noch verbessern werden, aber durch das ganze Einsparpotenzial von OKAL soll das mehr als wett gemacht werden. Dazu müssen wir jedoch, wie bereits gesagt, den Vertrag unbedingt bis Ende Juni unterzeichnet haben.

Ich habe vor, den Hausbau in einem Bautagebuch zu dokumentieren und lese deshalb bereits vorhandene Bau-Blogs über OKAL, wo ich erfreut feststelle, dass ich hier offensichtlich die Premiumklasse bestellen würde:

schaue ich mir ein Video zur Proxon Luftheizung an, die eine äußerst interessante Wärmepumpentechnik mit Wärmerückgewinnung verwendet:

Eine geniale Eigenschaft des Systems ist es, dass man die Wärmepumpe auch rückwärts laufen lassen kann und dann im Sommer das Haus angeblich um bis zu 10 Grad herunterkühlen kann. In Zeiten der Klimaerwärmung sicher ein nicht ganz unwichtiges Feature, oder?

Neben den Aufgaben beim Hausbau kümmere ich mich natürlich auch um meine alltäglichen „Verpflichtungen“: Beim Lesen der Nachrichten stolpere ich über diesen Artikel, …

… der mich aber nicht so recht überzeugen kann. Meine Meinung dazu ist: Lieber in „Good Old Germany“ einen sicheren Hafen organisieren und dafür ein bisschen mehr ausgeben, oder?

Aber vielleicht dann doch nicht ganz so viel, wie beim Alternativ-Vorschlag meiner (Ex-)Verlobten, die mich mittlerweile wieder auf WhatsApp entsperrt hat:

Außerdem baue ich natürlich weiter an den ebenfalls nicht ganz billigen Level 11 Mauern meines virtuellen Dorfs bei den Nordfriesländern, die stolze 1.000.000 Gold pro Teil kosten …

… und schließlich müssen noch die gut 1600 Fragen zur Motorrad (A) und Traktor (T) Theorieprüfung auswendig gelernt werden, …

… um sich beim TÜV nicht vor den ganzen anderen (viel jüngeren) Prüflingen zu blamieren:

Anschließend geht es mit den „Haus-Aufgaben“ weiter und ich vereinbare mit Herrn Wolf ein Zoom-Meeting, wo wir spät Abends zusammen mein „Google-Sheet“ ausfüllen, um die zu erwartenden Kosten zu berechnen:

Weil ich in einem Blog gelesen habe, dass man zur Sicherheit wirklich alles festhalten sollte, zeichne ich das Meeting mit Zustimmung von Herrn Wolf auf. Insgesamt wird das Haus mit Garage und Gartengestaltung etwa eine halbe Million Euro kosten, wovon dann noch 41.000 Euro KFW Zuschuss abzuziehen sind. Trotzdem ist das Endergebnis im Vergleich zu einer Beispielrechnung von Schneider Bau immer noch ganz stattlich.

Weil sich der Juni so langsam dem Ende neigt, will ich aber auf alle Fälle vorher noch ein OKAL Haus sehen, welches mit der Proxon Luftheizung ausgestattet ist. Deshalb vereinbare ich mit Herrn Wolf für den 29.06.2021 einen Termin in Villingen-Schwenningen, wo so ein Haus zu besichtigen ist …

… und sehe dann das Wunderwerk mal in Aktion:

Allerdings muss ich feststellen, dass man die Wärmepumpe zumindest einen Meter vor der geschlossenen Türe zum Technikraum noch hören kann, ebenso wie das Husten meiner Mitbewohnerin Alena, die mich auf der Fahrt begleitet hat:

Also brauche ich für die Einliegerwohnung vielleicht hier eine Schallschutztüre? Man kann hier übrigens auch die Akkus für die Photovoltaik-Anlage sehen:

Außerdem merke ich mir gleich, dass bei *meiner* Toilette *kein* solch unpraktischer Türknauf verbaut werden darf, …

… welcher zwar ganz nett aussieht, aber aufgrund der geringen Hebelwirkung nur extrem schwer zu drehen ist. Hübsch sieht auch das Smart-Home System „myGekko“ aus, welches ich aber ebenfalls etwas skeptisch beäuge:

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Elektronik auch nur annähernd die Lebenszeit des Hauses erreicht. Passenderweise hat heute, beim Schreiben dieses Blogs, mein gerade knapp zwei Jahre alter Monitor einen hässlichen senkrechten Streifen bekommen. Also vielleicht doch lieber nach dem Motto: Immer Besser Manuell?

Egal, das Haus hat mich soweit überzeugt und auch Alena, die ja fast kein Gebäude mehr ohne Kopfdruck betreten kann, empfand es noch als eines der „Besseren“. Also beschließe ich, Nägel mit Köpfen zu machen und sage Herrn Wolf zu. Dieser bereitet dann alles vor und in einem Last-Minute Zoom-Meeting gehen wir alle 20 Dokumente zusammen durch, welche ich dann schließlich unterschreibe:

Am Ende wird alles eingescannt und ich schicke dann den Auftrag ganz modern per Attachment an Herrn Wolf. Die Vertragsbedingungen sind noch in einem separaten nicht zu unterschreibenden Dokument festgehalten. Das gesamte ausgedruckte Werk wird dann in einem recycelten Ordner von der alten Wohnung mit meiner „Dame vom See“ abgelegt:

ja eins noch: Auf das Dokument Nummer 20, das Rücktrittsrecht bei Nicht-Erteilung der Baugenehmigung, habe ich übrigens bewusst verzichtet, weil das nach Herrn Wolfs Meinung wohl zu Verzögerungen des Baubeginns führen kann.

Also alles richtig gemacht, oder? Zeit mal kurz innezuhalten, um das bisher Erreichte zu feiern:

Liebe Grüße aus Tübingen

Michael Holzheu

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